2018

Interkulturelle Literaturworkshops

Worte ohne Grenzen

Das Projekt

Wir schauen über den “westeuropa-zentrischen Tellerand“, indem wir uns mit literarisch-sprachschöpferischen Leistungen aus anderen Kulturen vergleichend auseinandersetzen, z.B. Azerbaidzahn, Georgien, Togo, Russland, Polen. Autoren aus diesen Ländern vermitteln den Teilnehmern kulturelle Eigenheiten in der Literatur und Sprache ihres Landes und schaffen so Verständnis und Toleranz.

Wir stellen die unterschiedliche Metaphernwelten und den Wohlklang verschiedener Nationalsprachen in ihrem Reichtum und ihrer Schönheit vor bewußt mit deutscher Übersetzung.

Die Teilnehmer sind eingeladen zur Diskussion mit den ausländischen Autoren und zu Schreibübungen in den präsentierten Stilen.

Brief eines Kogge-Autors

O Nisami! Doch am Ende
Hast den richtigen Weg gefunden!

 J. W. Goethe, aus dem West-östlichen Diwan

 

Lieber Kollege Küstermann!

Hiermit bedanke ich mich bei Ihnen sehr herzlich für die Organisation der Literaturwerkstatt im Kulturzentrum BÜZ Minden, die wir dem aserbaidschanischen Dichter Nisami Gändschäwi (1141-1209) gewidmet hatten.

Vougar Aslanov

 

Am 12. März organisierte der Kogge-Autor Peter Küstermann die nächste Veranstaltung aus der Reihe der interkulturellen Begegnungen im BUZ - Kulturzentrum Minden. Dieses mal war das Thema der Dichter Aserbaidschans Nisami Gändschäwi und dessen Werke.

Den Workshop leitete der aus Aserbaidschan stammende Kogge-Autor Vougar Aslanov. Um die Teilnehmer besser darüber zu informieren, wer Nisami war, was, worüber und auf welcher Kulturbasis er geschrieben hat, erzählte Aslanov zunächst etwas über die Geschichte der Region. Aslanov sprach davon, wie sich aus dem alten Meder-Reich einst das Land Atropatena (der Ort des Feuers), und sich daraus später der Name Aserbaidschan entwickelt habe, entstanden im 4. Jh. v. Chr. unter der Herrschaft Alexanders des Großen. Er beschrieb die Weltanschauung der Lehre Zarathustras und warum diese untergegangen war, als die Araber den Iran und Aserbaidschan im 7. Jh. eroberten und dass gerade Aserbaidschan das Zentrum eines etwa 200 Jahre dauernden Widerstands gegen die arabische Besatzung geworden war. Er schilderte auch warum Arabisch zur einzigen Zwangssprache für alle damals eroberten Völker wurde. Das sei der Grund, warum eine arabischsprachige Literatur in vielen Ländern entstand. Gleichzeitig verbreitete sich die Lehre des Sufismus: der vorislamischen arabischen Mystik, der altgriechischen Philosophie, vor allem des Neoplatonismus, und der Koran wurde  eine der drei wichtigsten Grundlagen der Sufi-Lehre. Der Sufismus existiere aber über die Grenzen hinweg und akzeptiere auch andere, sogar „heidnische“ Religionen oder alles, woraus man etwas lernen könne. Sufismus erhebe aber auch den Anspruch, eine universelle, überkonfessionelle Lehre zu sein: jeder, egal, welche Religion er auch habe, könne ein Sufi werden, ohne seine Konfession zu ändern. Die arabischsprachige Dichtung jener Zeit sei, so Aslanov, durch den Sufismus stark beeinflusst worden. Die arabischsprachige Diwanliteratur habe große Forderungen an den Dichter gestellt: Kosmopolitismus, Enzyklopädismus, Einschränkung der Kontakte zur Außenwelt usw. Diejenigen, die sich Dichter nannten, sollten keine andere Arbeit verrichten, sondern von Spenden und Förderungen leben. Im 9. Jh. sei der neue Staat der Samaniden in Mittelasien entstanden, mit der Hauptstadt Bukhara. Die Samaniden hätten zum kulturellen Widerstand gegen die arabische Besatzung aufgerufen: die Dichter, die nun nicht mehr in Arabisch, sondern in Persisch schrieben, seien durch diese belohnt und gefördert worden

So sei es zur Entstehung einer Literatur in persischer Sprache gekommen, in der die Dichter vom Kaukasus bis Indien schrieben.

Einer der wichtigsten Vertreter der persischsprachigen Dichtung nicht nur Aserbaidschans, sondern des ganzen Orients sei Nisami Gändschäwi gewesen. Von ihm sprach Goethe in seinem West-östlichen Diwan als von einem großen Dichter, so Aslanov.

Aslanov berichtete weiter davon, welches die zwei wichtigsten Prinzipien der Dichtung Nisamis waren: Aufklärung und Gerechtigkeit. In seiner ersten Dichtung habe Nisami mehrere Geschichten zum Thema vorgebracht: Nachdem ein grausamer Regent der Sasaniden-Dynastie hörte, wie zwei Eulen weitere Verwüstungen durch ihn im Land erwarteten, um mehr Ruinen bekommen zu können, wurde er jedoch zu einem gerechten Herrscher. In seiner zweiter Dichtung Chosrou und Schirin werde ein anderer Regent aus der Sasaniden-Dynastie zu einem gerechten Herrscher durch die Liebe zu einer Frau. In der Dichtung Sieben Prinzessinnen lernte der Schah Bahram von einem Schäfer wie er sein Volk regieren solle. In seiner fünften und letzten Dichtung Das Buch von Alexander sei die Hauptperson nicht mehr ein Schah aus der Sasaniden-Dynastie, sondern Alexander der Große. Umgeben von den größten griechischen Philosophen, wuchs Alexander mit der Idee auf, die Aufklärung und die Gerechtigkeit in der ganzen Welt zu verbreiten. Seine Eroberungen hatten, nach Nisami, ebenfalls dieses Ziel. Alexander baute ein großes Imperium auf und regierte dieses mit Gerechtigkeit, überzeugt davon, dass er das Beste auf der Welt schaffen könne. Er wollte aber die Welt weiter erobern und entdeckte dabei einst im Norden ein unbekanntes Land. In diesem Land, wie ihm die dort Lebenden erzählten, werde alles von Anfang an gerecht und ehrlich gerichtet. Es gebe keine Armen und keine Reichen unter der Bevölkerung: alle seien gleich. Tief betroffen vom Erlebten, sei Alexander zu der Schlussfolgerung gekommen, dass all seine Bemühungen und Eroberungen umsonst seien, denn niemals könne er so eine Gesellschaft errichten, wie er sie im Norden antraf, und bald darauf sei er gestorben.     

Die Teilnehmer des Workshops schrieben danach unter der Leitung Aslanovs und Küstermanns Gedichte zu den Themen Nisamis und stellten diese dann auch vor. Eine der interessanten Arbeiten stammte  hierbei vom Kogge-Autor Marcus Neuert. In seinem Gedicht befasste er sich mit mehreren der oben genanten Themen Nisamis. Auch die Jugendlichen, die an diesem Workshop teilnahmen, widmeten dazu ihre Gedichte. Ein junger Flüchtling aus Syrien schrieb ein Essay zum angesprochenen Thema.

Insgesamt war das eine sehr interessante, spannende und erfolgreiche Veranstaltung.

         

Feedback von Kogge-Autor Marcus Neuert

Kontakt aufnehmen

Sie haben Interesse an diesem Projekt? Dann sprechen Sie uns an: 

Kulturzentrum BÜZ
Stichwort: Neue Heimat
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: 0571 23939

Zielgruppe

Literaturinteressierte von 15-85 Jahren aus verschiedenen Kulturen

Förderer

Kultusministerium NRW

Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NRW

Stadt Minden Integrationsbüro

Kooperationspartner

Treffpunkt Johanniskirchof

Autorengemeinschaft DIE KOGGE

Lektora-Verlag Paderborn

Berichte

1. Interkulturelle Literaturwerkstatt
am 12.03.2018 mit Vougar Aslanov aus Aserbaidschan
=> PDF lesen

 

Bilder aus dem Projekt

Die Galerie wird regelmäßig erweitert. 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen