2021

Maskenwelt - Weltmasken

Atelierbesuche

Maskenwelt - Weltmasken

Atelierbesuche

In dem Projekt MASKENWELT wollen wir zwei Gruppen zusammenbringen, die schon an Veranstaltungen in unserem Haus beteiligt waren: regionale Künstler*innen aus dem Verein für aktuelle Kunst und die Mindener Kultur-Scouts, eine Gruppe bildungsbenachteiligter biodeutscher und geflüchteter Jugendlicher. Weitere Kooperationspartner sind das Weserkolleg, die Flüchtlingshilfe Rechtes Weserufer, die internationalen Klassen des Leo-Sympher-Berufskollegs.

Sechs in OWL ansässige Künstler*innen mit Migrationshintergrund aus Eritrea, Ungarn, China und Tunesien werden die Teilnehmer*innen bei Workshops in ihren Ateliers in ihre jeweilige Kunstform in breitgestreuter Diversität des künstlerischen Ausdrucks einführen und sie erlebbar machen. Die Jugendlichen stammen aus Syrien, Marokko, Russland, Afghanistan und Deutschland.

Zentrales Thema und bildliche Klammer für das Konzept der Einheit in Verschiedenheit ist die durch Corona allgegenwärtige Mund-Nasen-Maske, die ja häufig als lästig und hässlich empfunden wird. Diese alltägliche Vertrautheit werden wir zum Anlass nehmen, traditionelle Ver- und Entschleierungen und Blickschutze in anderen Kulturen kennenzulernen, zu hinterfragen, in ihren soziohistorischen Bedeutungen zu verstehen und in ihrer Ästhetik wertzuschätzen. Das alles im lebendig-authentischen Dialog mit den einzelnen Künstler*innen in ihren Ateliers. Jede/r von ihnen hat einen eigenen Stil in seiner Kunstrichtung entwickelt und sich durch die Leitung eigener Kreativ-Workshops qualifiziert.

Im interaktiven Teil gestalten die Jugendlichen dann unter sanfter Anleitung jeweils eigene Masken, zunächst durch phantasievolle Bemalung der alltäglichen Standard-Corona-Masken, -Schutzhelme und -Gesichtsschutze, darüber hinaus dann durch das Abbilden unterschiedlichster Masken.

Eine einzigartige Sammlung von selbsthergestellten künstlerischen Unikaten entsteht. Ziel ist eine gemeinsame Ausstellung aller entstandenen Arbeiten Wichtiges Element sind für uns dabei Führungen in der Ausstellung, die die Teilnehmerinnen selbst planen und durchführen.

Es bietet haptische Erfahrung in spontaner Aktivität. Durch sanfte Motivation und Mitmachangebote ohne Leistungsdruck hilft ihnen der interkulturelle Kunstansatz zu menschlicher Annährung im Dialog miteinander und zum Abbau von Klischees und Vorurteilen. Das ist für uns ein Stück praktischer Friedensarbeit.


Förderer

Dr. Strothmann-Stiftung

Soziokultur NRW

Kooperationspartner

Verein für aktuelle Kunst

Mindener Kultur-Scouts

Weserkolleg Minden

Leo-Sympher-Berufskolleg

Rückschau auf Workshops mit Mindener Künstlerinnen am Sonntag, 05.12.2021

Erneut gab es Corona-Einschränkungen. Von daher konnte die geplante Vernissage der Ausstellung WAGNIS WEIBLICHKEIT mit Noémi Haugk nicht stattfinden. Allerdings waren die beeindruckenden teilweise überlebensgroßen Werke der Künstlerin ausgestellt. Eine Führung konnte wegen Corona aber leider nicht stattfinden. Die Werke der Künstlerin beinhalten ausschließlich weibliche Motive. So sind Tänzerinnen in orientalisch anmutenden Gewändern zu sehen. Noémi Haugk gibt beim Schaffensprozess bewusst die Kontrolle ab und lässt sich auf den Prozess ein, der den zu unerwarteten und kreativen Ergebnissen führen kann.

Doch nun zurück zur Rückschau auf die vier im Jahre 2021 stattgefundenen Masken-Workshops. Es handelte sich ausschließlich um vier Künstlerinnen aus dem Verein für Aktuelle Kunst des Kreises Minden-Lübbecke: Birgit Oldenburg, Noémi Haugk, Niehong Dai-Klußmann und Liselotte Bombitzki.

In der Mitte des Veranstaltungsortes waren Tische mit den Ergebnissen der Künstlerinnen aufgebaut werden. Mohamad Oumari stellte einzelne Masken vor und erläuterte die Intensionen und Vorgehensweise der Künstlerinnen.

Die Malerin und Autorin Birgit Oldenburg leitete einen Workshop zum Thema Meine Maske und Ich – Gesichtsschutz-Visiere gestalten. Gerade in Zeiten von Corona spielt der Gesichtsschutz eine elementare Rolle. Neben der Maske kann auch ein Visier bedeutsam sein.

Birgit Oldenburg war an diesem Sonntag im BÜZ anwesend und erklärte die Techniken des Pourings. Ergebnisse wurden in Regenbogenfarben präsentiert, Schriftzüge oder Logos von TV-Serien waren auch dabei. Es entstanden sehr unterschiedliche individuell gestaltete Visiere.

Der Workshop von Niehong Dai-Klußmann hatte Chinesische Masken zum Thema. Für die Chinesen und Chinesinnen bedeutet Gelb Tapferkeit, Grün und Blau stehen meistens für Edelräuber und Geister, Schwarz für Unbestechlichkeit und Gerechtigkeit. Goldene und silberne Masken tragen die Göttinnen und Götter. Es entstanden Masken in Form einer Vendetta-Maske (Anonymus) oder zierliche mit dezenten Farbstrichen versehene Masken bei den weiblichen Anwesenden. Schwarz und Rot waren dominierende Farbtöne. Aber auch Farbtöne wie Grün oder Blau wurden in den Kontext gesetzt.

Der Atelierbesuch bei Noémi Haugk mit dem Thema Gipsmasken hatte etwas ganz besonderes. Die Jungs hatten sich wegen dieses besonderen Erlebnisses ihren Bart zum ersten Mal rasiert, und auch die Mädchen hatten sie sich an dem Tag nicht geschminkt. Mohamad Oumari präsentierte stolz die ausgestellten Exponate.

Zum Abschluss der Masken-Workshops gab es im BÜZ eine Veranstaltung zum Thema Afrikanische Masken unter der Anleitung von Liselotte Bombitzki. Die Kultur-Scouts hatten viel Spaß und Freude am Gestalten und präsentierten an diesem Sonntag ihre Ergebnisse. Beeindruckend waren die Motive und die Farbenpracht.

Peter Küstermann verwies darauf, dass im kommenden Jahr sieben weitere Workshops vorgesehen sind, beginnend am 21.01.22 mit der Rintelner Künstlerin Esther Hansen zum Thema Carnevale di Venezia.

Volker Papke-Oldenburg


Masken-Workshops mit Liselotte Bombitzki

Workshop „Meine afrikanische Maske" am 26.November 2021 

Am 26.November 2021 fand der Workshop „Meine afrikanische Maske“ unter Leitung der Mindener Künstlerin Liselotte Bombitzki statt.

Frau Bombitzki lebte mehrfach in Simbabwe für jeweils ein halbes Jahr, unter anderem als sie als Studentin für Politologie und Ethnologie eine Erhebung für die Friedrich-Ebert-Stiftung zur Wirtschaftskraft von Frauen durchführte. Dadurch lernte sie auch das Volk der Ndebele kennen und ihre künstlerische Ausdruckskraft schätzen. Als Anregung stellte sie den Teilnehmern anhand mehrerer Bücher deren Farb- und Gestaltungskonzepte vor, jedoch hatte sich die Mehrzahl der Jugendlichen schon eine eigene Vorstellung zur Gestaltung ihrer Maske gemacht.

Nun galt es die Masken mit einer oder mehreren Farben zu grundieren, genutzt wurden gute Pigmentfarben. Und es wurde die Erfahrung gemacht, wie weit man die Farben mischen kann oder wann es nur noch braun ist. Liselotte Bombitzki beriet die Jugendlichen in zwangloser Form, ruhig und kompetent. Jede(r) erhielt von ihr Ratschläge zur optimalen Farbgestaltung des eigenen Kunstwerkes. Akribisch, hingebungsvoll und mit viel Spaß gestaltete jede/r ihre/seine Maske. Tendenziell waren es sehr ästhetische Arbeiten bei den weiblichen Teilnehmerinnen, während die männlichen Jugendlichen politische oder gesellschaftliche Bezüge nutzten, z.B. die Nationalfarben eines vereinigten Kurdistans.

Als Mitarbeiterin des Kulturzentrum BÜZ hatte ich die Gelegenheit eine eigene Maske zu gestalten, wobei ich mich von der farb- und Formgestaltung der Ndebele anregen ließ.

In der abschließenden Gesprächsrunde waren zwei Punkte von Bedeutung: jede/r erklärte die Intention ihrer/seiner Maske und allen wurde Wertschätzung erklärt.

Angela Pähler

Vorbereitung im Hiller Kreativzentrum mit der Tischlermeisterin, Holzkünstlerin und Lehrerin Bettina Fischer am 29.10.2021

Als Vorbereitung des Masken-Workshops mit Liselotte Bombitzki (am 26.11.21) nahmen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Syrien, Kurdistan, Afghanistan und Deutschland an einer Einführung zum Thema Holz im Hiller Kreativzentrum der Tischlermeisterin, Holzkünstlerin und Lehrerin Bettina Fischer am 29.10.2021 teil.

Frau Bombitzki hatte im Vorfeld des Workshops unterschiedliche Holzmasken aus verschiedenen afrikanischen Ländern im Internet ersteigert, im Unterschied zu anderen Workshops dieser Reihe wurden also Unikate genutzt. Frau Fischer erklärte anhand dieser Exemplare die großen Unterschiede von Hölzern wie dem leichten, wenig dauerhaften Balsaholz im Gegensatz zum schweren, sehr dauerhaften Ebenholz oder dem rotschimmernden Mahagoni dazwischen. Anhand von circa tennisballgroßen Kugeln aus hundert verschiedenen Holzarten wurde die große Bandbreite an Maserung, Farbe und Härte bzw. Schwere besonders deutlich. Hieran machte Frau Fischer auch das Besondere an der Arbeit mit Holz = dem HolzHANDwerk fest: die haptische Erfahrung des Werkstoffes, die „händische“ Auseinandersetzung mit dem Material ist das Wesentliche. Maschinelle Bearbeitung des Holzes mit Säge-, Hobel- und Drechselmaschine, mit der auch die Werkstatt ausgestattet ist und die vorgestellt wurden, vermitteln einem nicht das Gefühl für den Werkstoff Holz.

Und dann konnte der „händische“ Teil beginnen: die ersteigerten afrikanischen Masken waren alle bemalt und diese Farben hieß es abzuschleifen um sie später nach eigener Vorstellung gestalten zu können. Bettina Fischer erklärte die Wirkungen von Schleif-papieren diversester Körnung, die groben zum Abschliff der Farben, die feinen für den Endschliff, um Unebenheiten im Holz wieder auszugleichen. Alle Teilnehmer suchten sich aus dem Fundus ihre/seine Maske aus und bearbeiteten sie mit viel Geduld und Genauigkeit und Spaß am gemeinsamen Handwerken.

Angela Pähler


Atelierbesuch bei Noemi Szabina Haugk - 28.08.2021

In ihrem romantischen Garten- Atelier in Petershagen führt uns die ungarische-deutsche Musikerin und Malerin „Noemi Szabina Haugk“ in die Kunst der Gipsmaskengestaltung ein. Jede(r) kann einen Maskenabdruck von seinem eigenen Gesicht erstellen und farbig gestalten.

Der Atelierbesuch und weitere im Laufe dieses Jahres sind Teil unseres Projektes „Maskenwelt- Weltmasken“ im Rahmen der außerschulischen Bildung. Sie sind öffentlich gefördert und finden gemäß der Coronaschutzverordnung NRW statt.

In- und ausländische Jugendliche suchen gemeinsam Mindener Maler/ Innen in deren Ateliers bei der Arbeit auf und probieren ihre individuellen Techniken unter Anleitung selbst aus. Jede/r darf anschließend seine selbstgestalteten Kunstwerke mit heimnehmen. Die ästhetische- sinnliche Erfahrungen der Künstler- Ateliers als Teil der gegenwärtigen Kulturlandschaft in und um Minden sowie das aktive Ausprobieren diverser künstlerischer Techniken bescheren den Teilnehmer/Innen ungewohnte Sichtweisen auf das allgegenwärtige Thema der Coronaschutzmasken, sowie neue Ausdrucksmöglichkeiten der eigenen Gefühle und Erlebnisse.

Die Jungs haben berichtet, dass sie wegen dieses besonderen Erlebnisses ihren Bart zum ersten Mal rasiert haben. Sogar auch die Mädchen haben sie sich an dem Tag nicht geschminkt (Das war für sie etwas außergewöhnlich), sie waren sehr gespannt auf ihre Masken. Obwohl sie sich am Anfang nicht getraut haben, den Prozess mitzugestalten, hat sich Sabah endlich getraut, als Erste anzufangen und danach haben die anderen auch mitgemacht. Peter Küstermann konnte leider nicht daran beteiligen, da er vom Arzt empfohlen wurde, die medizinische Maske immer aufzusetzen. Die Künstlerin hat die Teilnehmer auf die Schritte hingewiesen und zwar:

Jede/r sucht sich einen Partner, dem er/ sie vertraut. Dann bevor es losgeht, müssen sie einen Kittel anziehen und die Haare mit einem Tuch oder Haarband stramm zurückbinden. Dann wird das Gesicht gründlich mit Fettcreme eingeschmiert. Vor allem die Augenbrauen brauchen eine kräftige Schicht, damit die Haare nicht im Gips festkleben. Mit einer Schere werden die Gipsbinden in Steifen geschnitten und kurz in lauwarmem Wasser eingeweicht. Jetzt ohne Panik ! Vorsichtig wird das Gesicht mit den Streifen abgedeckt. Natürlich müssen die Augen, der Haaransatz und vor allem die Nasenlöcher frei bleiben oder die Augen mit Wattepads vorher abdecken. Nach ca. 15 Minuten sind die Masken abgehärtet und können vorsichtig abgenommen werden. Wenn man dabei Grimassen schneidet, geht es ganz einfach.

Der Rand darf mit einer Schere schön geschnitten werden und wer mag, kann nun die Nasenlöcher auf der Maske schließen. Zum Schluss darf jede/r seine Maske von beiden Seiten nach Wunsch bemalen.

Um die Stimmung schöner machen zu können, wurde eine entspannende und ruhige Musik während des Projektes abgespielt. Die Teilnehmer haben sich gegenseitig geholfen und die beide Töchter der Künstlerin haben einen guten Beitrag dazu geleistet.

Nachdem die Masken abgetrocknet und bemalt wurden, wurden sie draußen in den Garten der Atelier gestellt. In der Abschlussrunde hat jede/r Teilnehmer sein Ergebnis bzw. seine Maske präsentiert. Die Jungs haben zu einer politischen Vorstellung tendiert ( syrische, kurdische Flagge wurde bemalt), Mohammad Omari hat die beiden syrischen Flagge auf seine Maske gezeichnet und hat dazu gesagt: „ So wird das Problem in Syrien gelöst“ . Die Mädchen ( Sidra und Amal ) haben ihre Masken ästhetisch dargestellt z.B. ( Glitzer, Schminken), Eine schwarze Maske mit einer Blume wurde von Sabah gemalt. Der Fotograf hat alle Masken fotografiert.

Am Ende haben sich alle Teilnehmer bei der Künstlerin bedankt und dann wurde das Projekt mit einem gemeinsamen Foto von Detlef Müller beendet.

Mohammad Ghneem                                                                     


Workshop mit Niehong Dai-Klußmann - 22.08.2021

Niehong Dai-Klußmann ist gebürtige Chinesin und lebt seit 2003 in Minden. Sie kombiniert fernöstliche Malerei mit westlichen Einflüssen. Typisch für ihren Stil ist die Verbindung von Schattierungen wie bei westlichen Ölgemälden mit der Behandlung von Wasser und Farbe wie in der fernöstlichen Tuschemalerei. Hierdurch bringen ihre Gemälde eigene einzigartige Rätsel hervor.

Anlässlich der Vernissage ihrer Ausstellung im Kulturzentrum BÜZ fand im Anschluss ein Workshop für Jugendliche und Erwachsene mit ihr statt. Titel: Mal deine eigene chinesische Maske.

Die Künstlerin führte die Teilnehmer in die Kunst der Maskengestaltung ein, die in der traditionellen Peking Oper getragen werden. Jede*r Teilnehmer*in konnte ein Exemplar farbig gestalten und anschließend sein Kunstwerk mit heimnehmen. Dank der Unterstützung unserer Förderung war der Eintritt frei und wir konnten die Materialien stellen.

Alf Fritzsche nahm eine Einführung in die chinesische Maskentradition vor: Wie bei Kostümen gibt es auch eine Symbolik der Masken, wobei jede Farbe eine bestimmte Bedeutung hat. Rot zeigt einen loyalen Charakter, Weiß zeugt von List, Misstrauen und Verrat und steht für einen bösen Charakter. Für die Chinesen und Chinesinnen bedeutet Gelb Tapferkeit, Grün und Blau stehen meistens für Edelräuber und Geister, Schwarz für Unbestechlichkeit und Gerechtigkeit. Goldene und silberne Masken tragen die Göttinnen und Götter.

Niehong Dai-Klußmann stellte zwei unterschiedliche Rohlinge an Masken vor. Die Masken der Frauen sind etwas zierlicher konzipiert, die Männermasken sind breiter.

Zum praktischen Teil: Zulässig war neben der Orientierung an der chinesischen Farbbedeutung auch eine Umdeutung. Es entstand als Ergebnis ein interessanter Synkretismus chinesischer und westlicher Kultur- und Wertvorstellungen.