2022

Auf DU und DU mit dem Anderen

Textwerkstatt

Auf DU und DU mit dem Anderen

Textwerkstatt

Wie selbstverständlich gehen wir mit dem "Anderen" um? Mit Abstammung und Herkunft, Migration, Handicap, aber auch sozialer Differenz, Meinungsfreiheit und Toleranz?

In einem sich zunehmend verhärtenden gesellschaftlichen Klima setzen wir uns auf vielfachen Wunsch von Teilnehmenden vorangegangener Textwerkstätten schreibend auseinander mit Gegenpositionen – mit Hilfe eigener literarischer Verarbeitung unter Anwendung interdisziplinärer Schreibimpulse aus der Welt der bildenden Kunst, der Musik, der Tanz- und Schauspielperformance sowie der Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung.

Unter dem Motto "Auf DU und DU mit dem Anderen" werden wir in von einem interdisziplinären und kompetenten Team betreuten Workshops literarisches Arbeiten mit der Vermittlung von Medienkompetenz (u.a. Videoaufzeichnung der Texte, mit den Teilnehmenden organisierte Abschlusslesung), von kulturellem, politischem und sozialem Selbstbewusstsein und einem spielerischen Ausbau sprachlicher Möglichkeiten verbinden.


Förderer

Sparkasse Minden-Lübbecke

Silent Sounds

13.06.2022

Am 13.06.2022 veranstaltete die Textwerkstatt im BÜZ einen weiteren Schreibworkshop im Rahmen der Reihe “AUF DU UND DU MIT DEM ANDEREN”. Der Abend wurde von dem Kogge-Autor Marcus Neuert moderiert, unterstützt von dem Musiker Christoph Andreas Marx.

Die Grundidee für diesen Abend war der musikalische Vortrag von SILENT SOUNDS als musikalischer Impuls zum Schreiben, dem wirken lassen der Musik und das in sich hineinspüren.

Die Komposition SILENT SOUNDS wurde gemeinsam von Christoph Andreas Marx auf der elektronischen Gitarre unter Nutzung von feature recordings und Marcus Neuert auf der akustischen Gitarre vorgetragen.

Die 15-minütige musikalische Komposition SILENT SOUNDS führte die Teilnehmer in drei unterschiedliche Welten. Der erste Teil war sphärisch und führte in die Grenzenlosigkeit des Weltalls, der zweite Teil erinnerte an das Blühen der Natur auf der Erdoberfläche, während der dritte Teil an Wasser und seine Tiefe und Geräusche erinnerte.

Die beiden Musiker haben zur Anregung unterschiedlicher Empfindungen und Vorstellungen bei den Teilnehmern bewusst Dissonanzen, Schwebendes und Ostinato, eine immer wiederkehrende Folge von Tönen, in die Komposition eingefügt.

Der Musik folgte die 30-minütige Schreibphase der Teilnehmer und die Erinnerung an die Bedeutung des Schreibens als Auflösung von inneren Barrieren, dem Zulassen von Empfindungen und Vorstellungen.

Nach dem Schreiben folgten alle Teilnehmer der Ermunterung zum Lesen ihres Textes und führten die Zuhörer in ganz unterschiedliche Welten der Empfindungen und Vorstellungen. Unter anderem erinnerte ein Lehrer eine Geschichte mit Schülern, ein anderer führte in die griechische Mythologie und über das Mittelmeer. Eine Mutter schrieb einen emotionalen Brief an ihre behinderte Tochter, eine phantasievolle Geschichte führte von Orpheus Gesang über Sirenen zum Klang der Wellen. Eine Teilnehmerin erinnerte an den Herzschlag aus der Tiefe, der den Tod überwunden hatte. Ein anderer ließ einen Astronauten an Gasnebeln und Sternen vorbei schwimmen.

Jeder Teilnehmer erhielt nach der Lesung seines Textes interessierte Rückfragen und konnte erläutern und verständlich machen, was seine Geschichte bedeutet. Der Umgang der Teilnehmer war von gegenseitigem Respekt geprägt.

Der nächste Workshop in der Reihe “AUF DU UND DU MIT DEM ANDEREN” findet am Montag, den 29.08.2022 um 18.00 Uhr mit Renate Folkers statt zum Thema: “GEHT NICHT GIBTˋS NICHT”.

Carsten Stallbörger


Schreibworkshop mit Markus Neuert

25.04.2022

Unser Schreibangebot für Fortgeschrittene: wie selbstverständlich gehen wir mit dem „Anderen“ um? Mit Abstammung und Herkunft, Migration, Handicap, aber auch sozialer Differenz, Meinungsfreiheit und Toleranz?

Für alle, die ihre Schreibzeit mit kulturellem, politischem, sozialem Selbstbewusstsein füllen wollen, in einem spielerischen Ausbau der sprachlichen Möglichkeiten. Zur Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung bieten wir Euch in persönlichen Begegnungen: Schreibimpulse aus der Welt der bildenden Kunst, der Musik, des Tanzes und des Schauspiels. Alle Teilnehmer* innen haben Gelegenheit, selbst Texte zu verfassen und vorzutragen.

Alle Workshops sind in sich abgeschlossen. Der nächste Schreibworkshop in dieser Reihe findet am Montag 13.6. um 18 Uhr statt. Thema: SILENT SOUNDS.

Was würde ich tun, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?

Ich würde lieben,
das Leben und mich,
das, was ich tue,
und sicher auch dich.

Ich würde lieben,
intensiv und total,
würd’ niemanden fragen,
träf’ nie eine  Wahl.

Ich würde lieben,
das Essen, den Wein,
würd’ nie wieder fasten
um dünner zu sein.,

Ich würde lieben,
egal, was geschieht,
würd’ Fehler vergeben
säng’ laut Lied um Lied.

Ich würde lieben,
exzentrisch und laut,
würd’ Wahres aussprechen,
wenn niemand sich traut.

Ich würde lieben,
und ganz ohne Not,
würd’ ich dann auch lieben
am End’ gar den Tod.

Mechthild Bock

als ob

was werde ich tun
in meinem letzten Jahr
das jederzeit anbrechen kann
ich kann nicht wissen, wann es anbricht
ich kann kaum ermessen, was bisher geschah

was werde ich tun
in meinem letzten Jahr
das jederzeit zu Ende sein kann
ich kann nicht wissen, wann es zu Ende geht
ich werde dann nur einfach nicht mehr hier sein

was werde ich tun
in meinem letzten Jahr
die Frage ist falsch, sie muss heißen:
was will ich sofort, in diesem Augenblick, beginnen,
mit diesem Augenblick, der immer der letzte sein kann

Abschiede üben oder
noch einmal fliegen im Geist
noch einmal zurückblicken
noch einmal berühren, was ich liebe
als ob es immer so weiterginge 

© Marcus Neuert, April 2022