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2022/2023

Begegnungscafé

Ein Projekt der KulturScouts

Begegnungscafé

Für ukrainische und russische Jugendliche

Eine neue Veranstaltungsreihe wurde im BÜZ etabliert. Angesichts des Krieges in der Ukraine kommen immer mehr geflüchtete ukrainische Jugendliche nach Minden. Das BÜZ als ein Zentrum für Integration und kulturelle Bildung versteht sich als Anker, um Ankommen, Fuß fassen und nach vorne schauen aktiv zu begleiten. Aktive Begleitung bedeutet auch die Stadt Minden näher kennenzulernen.

Was eignet sich dabei besser als den Erlebnisstadtplan für Jugendliche anzuwenden, der von Kultur-Scouts entworfen worden war, die auch dieses Projekt selbständig leiten.


Förderer

Fonds Soziokultur

Ein Projekt der KulturScouts

Projektverantwortlicher: Mohamed Oumari

Reliquien und Orgelklang

Geflüchtete erkunden den Dom und den Domschatz

04.12.2023

Vom Kulturzentrum BÜZ machten sich die jugendlichen Ukrainer und Ukrainerinnen, begleitet von russischen und tschetschenischen Teilenehmenden, auf den Weg zum Dom, um eine Besichtigung vorzunehmen. So wurde die Spurensuche in der neuen Heimat um eine weitere Spur ergänzt, nachdem im Frühjahr bereits die Stolpersteine und der Besuch der Synagoge auf dem Programm standen. Zusätzlich dabei waren dolmetschende russische Gäste: Stefan Pabst und Robert Schreider, um Kyrill von der Gruppe Nekoglais, der ebenfalls für die Übersetzung zuständig war, bei schwierigen Fachbegriffen zu unterstützen.

Andreas Kresse vom Vorstand des Dombau-Vereins bot an diesem Nachmittag eine kompetente und gut verständliche Führung an.

Er gab einen geschichtlichen Überblick über die Gründungsphase um 800 n. Chr. zur Zeit Karl des Großen. Ferner über die kriegerische Auseinandersetzung mit den Sachsen, dem Gegenpart Widukind und die Bekehrung der Sachsen zum Christentum. Genauer ging Andreas Kresse auf zwei Statuen ein: Die weltliche und die himmlische Macht. Darüber hinaus erläuterte er die Symbolik der gotischen Fenster und erwähnte dabei die Vollkommenheit des Kreises.

„Den gotischen Baustil erkennt man an den Spitzbögen und den hohen Fenstern aus farbigem Glas. Die Außenmauern der Kirchen werden nun von Strebepfeilern und Strebebögen gestützt. Deshalb müssen sie nicht mehr so dick sein und können trotzdem das Gewicht des Daches tragen.“

(https://www.google.com/search?client=safari&rls=en&q=gotik+streben+bauweise&ie=UTF-8)

Vor dem Eingangsbereich stehend wurde deutlich, dass der Dom wie eine Burg wirkt. „Wer von außen, gewissermaßen von der Welt her auf das mehr als acht Jahrhunderte alte Westwerk des Mindener Domes zugeht, schaut auf ein majestätisches Gebäude, das wie eine Burg wirkt. In diesem Gebäude haben die Menschen vergangener Jahrhunderte Schutz und Geborgenheit gesucht. Hier haben aber auch deutsche Kaiser auf ihren Reisen durch das Land von ihrer Loge aus den Gottesdienst im Dom mitgefeiert.“ (https://dombauverein-minden.de/dom-zu-minden/)

Hinter dem bronzenen Eingangstor versammelten sich die Anwesenden um das Taufbecken. Andreas Kresse zog sie in seinen Bann mit seiner lebendigen und faszinierenden Erzählweise. Vom Taufbecken führt ein gerader Weg – der Lebensweg – zum Altar. Die Jugendlichen stellten Fragen und zeigten sich sehr interessiert. Es entstanden intensive Gespräche über Maria und Christus sowie den berühmten Pilgerweg nach Santiago de Compostela, wo die Reliquien des Jakobus der Legende nach zu finden sind.

Jakobus der Ältere war einer der zwölf Apostel, Sohn des Zebedäus und Bruder von Johannes. Laut dem Bericht der Bibel (Apg. 12,1-2) wurde er auf Befehl des Königs Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahre 44 enthauptet. Erst deutlich späteren Legenden zufolge soll er sich nach Christi Himmelfahrt in das heutige Spanien begeben haben, um dort zu missionieren, allerdings mit wenig Erfolg. Er kehrte dann angeblich nach Palästina zurück und wurde dort, wie in der Bibel berichtet, hingerichtet. Nach einer in Spanien seit dem Mittelalter verbreiteten Legende wurde sein Leichnam anschließend in ein Boot gelegt, das dann an die Küste Spaniens getrieben wurde. Nach einer anderen Version brachten seine Jünger Athanasius und Theodorus den Leichnam absichtlich auf dem Seeweg in sein Missionsgebiet Spanien und setzten ihn in einem Steingrab auf dem Gebiet der heutigen Stadt Santiago de Compostela bei. Nach einer wieder anderen verbreiteten Legende schenkte Kaiser Justinian die Gebeine dem Sinaikloster; und in den Stürmen des Islam brachten Mönche die Reliquien nach Spanien in Sicherheit. Als die Muslime auch Spanien eroberten, habe man die Reliquien an der Stelle, an der sich heute Santiago de Compostela befindet, vergraben.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobus_der_Ältere)

Alle hatten Gelegenheit den Teil des Aufstiegs im Turm bis zur Orgel zu machen. Beeindruckend ist der Klang der Orgel mit 62 Registern und 4388 Pfeifen.

Anschließend bestaunten alle die goldenen Reliquien im Domschatz, speziell das berühmte Mindener Kreuz, einen Gießlöwen oder das Petrischrein.

„Neben den Reliquiaren und dem liturgischen Gerät ist vor allem die Abteilung wertvoller Kunstgegenstände zu nennen: die Kreuze, an der Spitze das berühmte Mindener Kreuz (1120). Viele Besucher kommen aus aller Welt, um diesen Gekreuzigten zwischen Tod und Leben zu betrachten. In der neuen Domschatzkammer ist dem Mindener Kreuz ein besonderer Raum gewidmet, der auch zur Besinnung einlädt. Aber auch andere Kreuze aus der gotischen und jüngeren Zeit verdienen wegen ihres künstlerischen Gehalts hohe Beachtung.“ (https://dombauverein-minden.de/domschatz-minden/)

Zufrieden und mit vielen neuen Erkenntnissen bedankten sich die Jugendlichen bei Andreas Kresse.

Volker Papke-Oldenburg


Erinnerungskultur

Kaiser Wilhelm und die Folgen

11.10.2023

Heute fuhren wir nach Barkhausen. Im LWL-Besucherzentrum unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals lernten wir am 17 Meter breiten Wandpanorama die Geschichte der Porta Westfalica kennen. Dann schilderte uns Thomas Lange das Schicksal der KZ-Häftlinge, die im 2. Weltkrieg am Fuße des Berges in erschütterndem Ausmaß Hunger, Krankheit und Gewalt ausgesetzt waren. Wir besichtigten den Standort des ehemaligen Lagers und das Mahnmal für die Opfer.

Das Besondere: Junge Ukrainer*innen und Russ*innen setzten sich Hand in Hand mit der Geschichte auseinander, die auch eine Geschichte ihrer Vorfahren ist!


Besuch der ehemaligen Untertage-Verlagerung „Dach 1“ im Jakobsberg

19.06.2023

KZ-Häftlinge aus Barkhausen und Hausberge wurden 1944 unter grausamen Bedingungen gezwungen, im Jakobsberg einen Stollen für die Kriegsindustrie als Rüstungsbetrieb auszubauen. Sie waren in erschütterndem Ausmaß Hunger, Krankheit und Gewalt ausgesetzt.

Wir besichtigten die unterirdische Anlage (etwas unterhalb des heutigen Fernsehturms), anschließend erhielten wir in der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica Informationen über „die dunkle NS-Vergangenheit unter dem Jakobsberg“(NW).

Infos: www.gedenkstaette-porta.de/ 

Fotos: Detlef Müller


Auf die Pauke hauen

26.04.2023

Das Begegnungscafé für Jugendliche ist wieder auf Kul-Tour gegangen, diesmal in die Musikschule Minden. Das vielsprachige Erlebniscafé wollte den teilnehmenden Jugendlichen aus der Ukraine, Russland und Syrien die kreative Welt einer Musikschule näherbringen, sowie die Gelegenheit geben, im Musikunterricht zuzuhören und selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen.

Der Leiter der Musikschule Jörg Meder begrüßte die Jugendlichen im Konzertsaal und lud sie ein, Musik zu entdecken und Musik selbst zu machen.

Im ersten Schritt wurden die Jugendlichen aufgefordert, jeder für sich langsam durch den Konzertsaal zu gehen, leise, wie verträumt am Morgen und sich einen Punkt zu suchen, auf den man zuging und wahrzunehmen, was man auf dem Weg sah.

Im zweiten Schritt durften die Jugendlichen den Ton der eigenen Stimme und ihre Vibration im Brustkorb entdecken. Sie machten den Laut “A”, dirigiert von Herrn Meder. Ging er in die Knie, wurde das “A” leiser, ging er in die Höhe, wurde es lauter, die rechte und die linke Hand signalisierte der jeweiligen Hälfte der Jugendlichen, ob sie gemeinsam den Ton machen oder eben den anderen zuhören sollten.

Im dritten Schritt bildeten die Jugendlichen einen Kreis, aufgefordert nacheinander zu klatschen, den Rhythmus zu hören und dann aufmerksam zu werden und selbständig die Richtung des Klatschens zu ändern.

So bekamen die Jugendlichen einen Eindruck von den Grundlagen von Ton und Rhythmus: dem Gehen, der eigenen Stimme, der Vibration im Körper, dem Zusammenspiel mit Anderen. Und wenn der Ton mal “schief” oder der Rhythmus “schräg” wurde, wurde gemeinsam herzlich gelacht.

Danach ging es zum Zuhören und Zusehen in den laufenden Unterricht. In Dreiergruppen konnten die Jugendlichen z.B. zum Schlagzeug-, Klavier-, Geigen-, Gitarren- oder Flötenunterricht gehen und einen Eindruck vom Instrument, den Lehrern und Schülern sowie von der Didaktik und den Emotionen bekommen.

In einem Zwischenspiel zeigte ein Geigenlehrer seine beeindruckende Virtuosität und die Klangfülle seines Instruments, indem er Stücke aus dem Barock bis zur Moderne anspielte. Einer der Jugendlichen wollte daraufhin auch Geige spielen lernen und wurde, wie alle anderen auch, zu einem kostenlosen Termin zum Ausprobieren der Instrumente eingeladen.

Der Geigenlehrer setzte sich dann ans Klavier und spielte zusammen mit Peter Küstermann auf dessen Ein-Euro-Plastikflöte einen Blues, bevor es zum Abschluß des Besuchs in den Unterrichtsraum für das Schlagzeug ging. Ein junger Musiker zeigte, welche beeindruckenden musikalischen Fähigkeiten er durch sein jahrelanges Üben in der Musikschule und Zuhause am Schlagzeug entwickelt hatte und beantwortete freundlich die vielen interessierten Fragen zum Instrument und zu seiner Person.

Damit endete dieser lebendige und anregende Austausch mit der kreativen Welt der Musik in der Musikschule Minden für die Jugendlichen aus der Ukraine, Russland und Syrien.


Auf dem Pfad der Erinnerung – Mindener Stolpersteine und Synagogenbesuch

02.02.2023

Treffpunkt mit den Geflüchteten aus der Ukraine war das BÜZ. Dem Wunsch der Teilnehmenden entsprechend stand ein Besuch der Mindener Synagoge auf dem Plan. Dabei spielten die Stationen des Erlebnisstadtplans eine wesentliche Rolle. Das Interesse war groß, zur Vorbesprechung waren sämtliche bereitgestellte Stühle belegt. An diesem Tag gehörte zur Erinnerungskultur nicht nur der Synagogenbesuch, sondern im Vorfeld die bewusste Wahrnehmung der Stolpersteine in der Kampstraße. Ziel war es im Rahmen von Erinnerungskultur ein Bewusstsein für die Zeit der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten zu erhalten. An mehreren Orten in Minden weisen Stolpersteine auf die in den zugehörigen Häusern lebenden Juden hin. Diese Steine, die oft achtlos übersehen werden, erzählen ihre Geschichte von Deportation, Lager und Vernichtung. Rainer Hagemann war von Peter Küstermann engagiert worden und erklärte den Jugendlichen das Putzen und Pflegen der Stolpersteine mit Sidolin und Olivenöl. Und für das Übersetzen war Seda vor Ort.

„Der Arbeitskreis Stolpersteine Minden (AK), aus der Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden e.V. (friwo) hervorgegangen, hat im 60. Jahr nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Terrorregime einen besonderen Beitrag zur Erinnerungsarbeit geleistet. Er griff eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig auf, der 1994 begann, in den Straßen seiner Heimatstadt „Steine gegen das Vergessen“ zu verlegen, symbolische Stolpersteine, die an frühere Nachbarn erinnern sollen, die als Juden, Sinti oder Roma, Euthanasieopfer, Homosexuelle, politisch oder religiös Verfolgte unter dem Naziregime verschleppt und ermordet wurden“ (https://stolpersteine-minden.de).

Nach der Einführung machten sich die Geflüchteten auf den Weg zu den Stolpersteinen in Minden. Rainer Hagemann führte das Reinigen der Steine vor. Mohamed Oumari erläuterte einige Inschriften auf den Steinen und erzeugte Betroffenheit bei den Jugendlichen. Anschließend wurden weitere Stolpersteine im Innehalten an die gelebte Geschichte der Ermordeten gereinigt. Dabei wurden auch Geografie- oder Geschichtskenntnisse vermittelt beziehungsweise aufgefrischt, wenn es um die Besprechung der Konzentrationslager ging.

Danach ging es zur zweiten Station. Wenige Meter entfernt wurde die Gruppe von Herrn Cohen am Eingangstor der Mindener Synagoge in Empfang genommen. Die Sicherheitsvorkehrungen aufgrund möglicher Anschläge wurden erläutert. Ferner, dass die männlichen Teilnehmer eine Kopfbedeckung tragen mussten. Eine Kippa konnte ausgeliehen werden. Herr Cohen stellte sich vor: Hebräisch-Lehrer und Zuständigkeit für das Kochen nach dem Gottesdienst. 

Er erläuterte die Gedenktafel im Eingangsbereich und vermittelte geschichtliche Hintergründe zur Zerstörung der ursprünglichen Synagoge in der Reichsprogromnacht im November 1938. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten ca. 400 Juden und Jüdinnen in Minden, nach 1945 waren es noch 20. 1956 wurde die Synagoge an einer geringfügig entfernten Stelle wieder aufgebaut und 1958 eröffnet. Heute leben 100 Juden und Jüdinnen in der Stadt, ca. 80 davon nehmen regelmäßig an den Gottesdiensten teil. Herr Cohen erklärte die Bedeutung der Thora und zeigte auf die Thora-Rollen und verwies auf die Kostbarkeit des Pergamentpapiers. Die fünf Bücher Mose sind handschriftlich auf Hebräisch in Tinte geschrieben. Hebräisch und Arabisch sind verwandte semitische Sprachen. Es gab viele interessante Fragen seitens der Anwesenden: Wie wird man Jude? Nur durch die Geburt, wenn die Mutter Jüdin ist. Wie läuft der Gottesdienst ab? Es gibt keinen Priester, keine Predigt. Nur einen Kantor. Es wird gebetet und ein Tagesabschnitt aus der Thora gelesen. Es gibt den Segen über Wein und Brot und anschließend ein gemeinsames Essen und Trinken mit einer Diskussion über gelesene Thora-Abschnitte. Es wird getrennt nach Fleisch- und Milchgerichten. Christen können am Gottesdienst teilnehmen. Interessante Fragen zur Bedeutung von Jerusalem für die drei monotheistischen Weltreligionen wurden geklärt.

„Jerusalem – die Stadt gilt sowohl Juden und Christen als auch den Arabern als heiliger Ort. Dabei wurde innerhalb ihrer Stadtmauern im Laufe der Geschichte viel Blut vergossen – etwa im so genannten „Ersten Jüdischen Krieg“. Er begann 66 nach Christus, als sich die jüdischen Bewohner Judäas erhoben, weil der römische Statthalter einen Teil des Jerusalemer Tempelschatzes einforderte. Seit dem Frühjahr 70 wurde die Stadt von den Römern eingekesselt, bis im September desselben Jahres zunächst der jüdische Tempel und dann die ganze Stadt dem Erdboden gleichgemacht wurde“ (https://www.deutschlandfunk.de/die-zerstoerung-des-tempels-von-jerusalem-durch-die-roemer-100.html).

Es war ein äußerst interessanter Dialog, da in diesem Zusammenhang auch nach den Qumran-Rollen gefragt wurde, die 1948 entdeckt wurden. Khirbet Qumran (arabisch خربة قمران Chirbat Kumran, DMG Ḫirbat Qumrān), meist nur Qumran (hebräisch קומראן) genannt, ist eine archäologische Stätte im unter israelischer Verwaltung stehenden Westjordanland Sie liegt auf einer flachen Mergelterrasse nahe dem Nordwestufer des Toten Meeres (https://de.wikipedia.org/wiki/Qumran ).

Zum Abschluss gab es noch einen Abstecher in den Speiseraum und die Küchen, bevor sich die Gruppe für die gut organisierte Führung bedankte. Ein großes Lob galt auch den Geflüchteten aus der Ukraine, die sich vorbildlich verhielten und wissensbegierig waren. Stunden später erhielt Peter Küstermann per WhatsApp eine Danksagung der Gruppe für de gelungenen Nachmittag. 

Volker Papke-Oldenburg

Fotos: Detlef Müller


Buzzer Quiz im Museum

11.11.2022

Im Mindener Museum trafen sich geflüchtete ukrainische Jugendliche mit russischen Jugendlichen und jungen Syrer*innen. Begüßt von der Mitarbeiterin des Museums Kristin Saretzki wurden die Teilnehmer*innen von ihr auf eine Kul-Tour durch bestimmte Ausstellungsstücke des Museums geführt mit dem Ziel, die Geschichte der Stadt Minden kennenzulernen und das erworbene Wissen in einem abschließenden Buzzer Quiz zu nutzen und die Fragen richtig zu beantworten.

Die Führung begann mit der Präsentation eines Holzmodells der Stadt Minden als Festungsstadt des Jahres 1873. Frau Saretzki beantwortete die teils aus dem russichen, ukrainischen oder syrischen übersetzten Fragen der Teilnehmer*innen und erläuterte die Besonderheiten der damaligen Stadtstruktur wie die komplette Stadtmauer, den Wassergraben, das Wesertor, die Forts A, B, C zum Schutz des Mindener Bahnhofs, die Fischerstadt und die mehr als 1200 jährige Geschichte des Mindener Doms.

Als nächstes folgte die Geschichte eines rund 400 Jahre alten Kellers, in dem eine Mindener Familie Bier braute, lagerte und dadurch zu Wohlstand kam. Die Teilnehmer*innen erfuhren, dass Minden einmal eine richtige Bierbrauerstadt war.

Beeindruckt waren sie von den hohen Beischlagwangen des Hauses Bäckerstraße 9. Beischläge waren erhöhte Sitzplätze an den Giebelwänden von Bürgerhäusern. Den Abschluss der Sitze zur Straße bildeten Beischlagwangen. Die beiden im Jahr 1530 gefertigten Exponate  thematisierten die Auferstehung Jesu und den Sündenfall.

Im steinernen Mindener Stadtwappen erkannten die Teilnehmer*innen zwei gekreuzte Schlüssel, die die Domschlüssel darstellen und den zweiköpfigen kaiserlichen Reichsadler.

Im Erkerkabinett stellte Frau Saretzki sechs weibliche Figuren vor, die die Tugenden Geduld, Nächstenliebe, Glaube, Hoffnung, Tapferkeit und Mäßigkeit darstellen.

Den Abschluss der Führung bildete der im Jahr 2008 gefundene Goldschatz. Dieser enthält dutzende rund 800 Jahre alte Goldgulden aus dem gesamten Mitteleuropäischen Raum und ist ein wertvolles Dokument für die weitverzweigte Handelstätigkeit der damaligen Zeit.

Nach dieser lehrreichen Führung kam es zum abschließenden Showdown: dem Buzzer Quiz mit den russischen und ukrainischen Jugendlichen auf der einen Seite und dem grünen Buzzer sowie den jungen  Syrern mit dem roten Buzzer auf der anderen Seite. Die von Peter Küstermann vorgelesenen, auf die vorherige Führung abgestellten Fragen wurden ins Russische bzw. Ukrainische sowie ins Syrische übersetzt. In einem temperamentvollen aber immer respektvollen Zweikampf buzzerten und antworteten die Jugendlichen auf die Fragen, teils turbulent, aber immer mit einem Lachen im Gesicht.

Mit der Antwort auf die letzte Frage und einem großen Dankeschön für die kompetente Führung von Kristin Saretzki endete die lehrreiche und spielerische Kul-Tour durch die Geschichte der Stadt Minden und die jungen Teilnehmer*innen gingen gemeinsam zurück in das BÜZ.

Carsten Stallberger

Fotos: Detlef Müller


Jetzt schnitz ich mein Portrait

10.10.2022

Bei diesem Workshop handelte es sich um die Fortsetzung der Abarbeitung wichtiger Treffpunkte auf dem Stadtplan, welcher von den Kultur-Scouts konzipiert und erarbeitet worden war. Im BÜZ waren Tische vorbereitet, um einen Stempelworkshop mit Angela Netmail für geflüchtete Ukrainer und Ukrainerinnen zur Erstellung eines eigenen Stempels zu machen. Die Teilnahme war überwältigend. Die Tische reichten nicht aus. Folglich musste improvisiert werden, Tische und viele Stühle mussten hinzugestellt werden. Im Vorfeld hatten die Jugendlichen seitliche Porträtfotos eingereicht, die im Schwarzweiß-Format ausgedruckt waren. Bei den vielen Neuankömmlingen mussten noch Fotos gemacht und im BÜZ-Büro ausgedruckt werden. Dank der tatkräftigen Hilfe von Mohamad Oumari gelang dieses reibungslos. Eine perfekte Organisation. Perfekt auch die Übersetzungen auf russisch von Kamila und Radima.

Folgende Materialien wurden für die Stempelerstellung bereitgestellt:

  • Radiergummi, in welches das Portrait eingeritzt wurde
  • Transparentpapier
  • Bleistift und Kugelschreiber
  • Cuttermesser

In einem Eingangsfilm wurden die einzelnen Schritte gezeigt.

Nun ging es an die Arbeit. Das Transparentpapier wurde auf das eigene Schwarzweiß-Porträt gelegt, um anschließend die Konturen des eigenen Porträts mit dem Bleistift abzuzeichnen oder Teile des Haares auszufüllen. Dabei wurden von Angela auch die unterschiedlichen Grafitgehalte der Bleistifte erläutert. Danach wurde das Pauschpapier mit den Konturen auf das Radiergummi-Element gelegt und angedrückt, so dass sich die Grafitkonturen auf dem Radiergummi abbilden konnten. Hier kam nun der Kugelschreiber ins Spiel. Da Grafit dazu neigt, sich schnell zu verwischen, wurden die Gesichtskonturen mit dem Kugelschreiber nachgezeichnet. Nun musste mit dem Cuttermesser geritzt wurden, um die Vertiefungen zu erzielen, die später die Tusche aufnehmen sollten.

Die Messer waren scharf und schon gab es die erste Verletzung, die medizinisch mit dem Erste-Hilfe-Set versorgt werden musste.

Der kreative Vorgang machte den Jugendlichen sehr viel Spaß, es wurde viel gelacht. Das war wichtig, geht es doch auch darum, Traumata des Krieges und der Flucht für einen Augenblick zu vergessen.

Stellwände mit einzelnen Porträts von Anwesenden waren aufgebaut. Daneben konnte ein Stempelabdruck gesetzt werden. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen.

Nicht zu vergessen: Stadtpläne wurden auch noch verteilt. Hier konnte ein Stempeldruck mit dem eigenen Porträt eingefügt werden. Auf der ersten Seite befand sich bereits ein Porträt mit einem Kasper. 

Christine Barkhausen, die neue Leiterin des BÜZ, schaute auch noch vorbei, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie war beeindruckt von den Ergebnissen und erhielt einen guten Eindruck von der kulturellen Bildung im BÜZ.

Mit einer Feedback-Runde und einem Gruppenfoto wurde dieser wunderschöne Nachmittag beendet.

Volker Papke-Oldenburg

Fotos: Detlef Müller


Mein Vater ist im Krieg

25.09.2022

Unser vielsprachiges Erzählcafé bot Gelegenheit zum lebendigen Austausch in geselliger und zwangloser Atmosphäre. Inmitten der Ausstellung MIR – Mup (dasselbe Wort bedeutet FRIEDEN auf ukrainisch und auf russisch) war Raum für unterschiedliche Erfahrungen und viel Platz für die Gefühle der Teilnehmer*innen.

Ukrainische Geflüchtete berichteten, wie es sich anfühlt, hier in Sicherheit zu leben, während ihr Vater die Heimat an der Front verteidigt. Russische Jugendliche ergänzten, wie sehr ihre Familien leiden. Junge Syrer*innen brachten den Vergleich ein mit ihrer eigenen Fluchtgeschichte vor 6 Jahren. Und wir Einheimischen stellten uns der Frage: was haben wir gelernt in dieser Zeit?

Die Moderation übernahmen Radima und Kamila Dalduewa von den KulturScouts.


Besuch der Mindener Schiffmühle

08.07.2022

Eine neue Veranstaltungsreihe wurde im BÜZ etabliert. Angesichts des Krieges in der Ukraine kommen immer mehr geflüchtete ukrainische Jugendliche nach Minden. Das BÜZ als ein Zentrum für Integration und kulturelle Bildung versteht sich als Anker, um Ankommen, Fuß fassen und nach vorne schauen aktiv zu begleiten. Aktive Begleitung bedeutet auch die Stadt Minden näher kennenzulernen. Was eignet sich dabei besser als den Erlebnisstadtplan für Jugendliche anzuwenden, der von Kultur-Scouts entworfen worden war.

Ziel des heutigen Nachmittags war die Mindener Schiffmühle. Zunächst aber trafen sich die ukrainischen Jugendlichen, begleitet von einigen syrischen Kultur-Scouts, im Kulturzentrum BÜZ, um eine kleine Orientierungsphase zu durchlaufen. Für das Dolmetschen waren neben Peter Küstermann die beiden Tschetscheninnen Radima und Camilla vorgesehen. Somit konnte nichts mehr schiefgehen. Vorgestellt wurden auch der Fotograf und der Berichterstatter, mit dem Verweis auf die digitale Dokumentation.

In einer ersten Kennenlernrunde berichteten die Jugendlichen über ihre Herkunft: Donezk und Cherson als bekannteste und umkämpfte Städte sollen hier stellvertretend genannt werden. Ferner erwähnten sie die Gastfreundschaft und die guten Erfahrungen, die sie in Minden gemacht haben. Nicht zu vergessen, dass Minden eine schöne Stadt sei.

Dann ging es zu Fuß los zur Schiffmühle zum Erwerb des Müller-Diploms. Hier wurde die Gruppe vom Schiffmüller Stephan sowie von Christiane empfangen. Der Schiffmüller vergas nicht Scherzes halber zu erwähnen, dass lediglich drei Rettungsringe zur Verfügung stünden. Somit sollte auch keiner die Idee haben, ins Wasser zu springen.

Nach einem Willkommenstrunk erläuterte der Schiffmüller zunächst den historischen Hintergrund von Schiffmühlen im Allgemeinen und der Mindener Schiffmühle, die als Rekonstruktion im Jahr 1998 am Weserufer erbaut worden war. Erste Schiffmühlen gab es im Römischen Reich, während 1326 die erste Mindener Schiffmühle gebaut wurde. Er läuterte das Prinzip und die Wirkungsweise von Wassermühlen, ohne zu vergessen, dass die Mindener Mühle bei niedrigem Wasserstand elektrisch betrieben werden könne. An diesem Besuchstag war das auch notwendig, da die Weser wenig Wasser führte. Die Besichtigung wurde fortgeführt, den Jugendlichen wurde die Funktionsweise des Mahlwerks anschaulich vorgeführt, indem die Wassermühle elektrisch angeworfen wurde. Roggenkorn wurde gemahlen. Das verbliebene Schrot konnte in Jutesäcken von den Jugendlichen mitgenommen werden.

Letztendlich ging es den Erwerb des Müller-Diploms mit Fragen zur allgemeinen Geschichte der Schiffmühlen, zur Mindener Schiffmühle, zu den Aufgaben eines Schiffmüllers oder zur Gewässerkunde. Die Fragen waren nicht einfach zu beantworten, handelte es sich um gerade Angekommene, die der deutschen Sprache kaum oder gar nicht mächtig waren. So war es legitim, dass etwas geschummelt wurde. Radima und Camilla hatten von Peter Küstermann recherchierte und übersetzte Antworten zur Verfügung. Es ging hier vordergründig schließlich um das gemeinsame Erlebnis und um das Zusammenkommen.

Somit erhielten selbstverständlich alle eine Urkunde mit dem Müller-Diplom sowie eine Münze mit der Schiffmühle auf der einen Seite und einer weiteren Mühle aus dem Mühlenkreis auf der anderen Seite.

Abschließend wurden noch Fotos beim Verlassen der Mühle auf dem Steg gemacht.

Ein weiterer Schritt zur Integration wurde an diesem Tag vollzogen.

Volker Papke-Oldenburg