Poetry Slam

Poetry Slam im BÜZ

Phönix-Slam am Samstag, 26.06.2021

Moderation: Sabah Oumari und Vanessa Block

Es war eine weitere Veranstaltung, die Hoffnung für die Kultur- und Kunstschaffenden in Zeiten der Lockerung von Corona-Einschränkungen gibt.

Im BÜZ war ein Live-Slam mit Publikum möglich, das Einchecken mit der Luca-App gehörte zum neuen Standard. Am Platz konnten die Masken abgenommen werden und sogar Getränke serviert werden. Das waren optimale Voraussetzungen für eine Hybrid-Veranstaltung, denn gekoppelt mit einer Online-Veranstaltung, die auf Twitch-TV auf den Seiten des Kulturzentrums live zu sehen war, wurde vor Ort und im Netz abgestimmt. Es war ein Novum für einen Poetry-Slam im BÜZ.

Sabah Oumari und Vanessa Block moderierten den Phönix Slam souverän. Sie erläuterten die Modalitäten der Abstimmung vor Ort sowie die Koppelung der Präsenzergebnisse mit den Online-Resultaten. Ferner stellten sie die zu gewinnenden Preise vor: Einen Pokal sowie diverse Bücher. Dabei gab es zunächst zwei Durchgänge.

Vier engagierte und schon erfolgreiche Phönix-Slammer*innen stellten sich der Online-Jury im Netz und den anwesenden Gästen: Lena, Anna-Lisa, Lennard und Ruven.

Sie waren weit angereist – aus Bonn, Göttingen, Bochum und Dortmund. Dafür allein schon gab es einen entsprechenden Applaus.

Die Vortragenden hatten jeweils sechs Minuten Zeit, ihre Texte über Diskriminierung im Alltag, das Leben mit Depressionen und Verzweiflung, Demenz der Großmutter, Trennung, Wut, Grenzüberüberschreitung, Wendepunkte, Hoffnung oder Neubeginn vorzutragen. Es waren überwiegend sehr persönliche und authentische Texte, die mit viel Gefühl und Leidenschaft vorgetragen wurden. Gefallen hat die Ehrlichkeit der Aussagen, verbunden mit Appellen, Personen mit Handicaps zu würdigen, ernst zu nehmen und in die Gesellschaft zu integrieren.

Anna-Lisas erster Text rückte Treffen mit der dementen Großmutter in den Fokus und beschrieb literarisch gut inszeniert Phasen von Besuchen im Pflegeheim bis zum Stehen vor dem Grab. Der zweite Text galt dem Tatort „Mädchensport“, dem Training mit Menstruation, sexuellen Übergriffen beim Sport oder die Diskriminierung beim Mannschaftssport wie dem Fußball.

Ruvens Beiträge verglichen das zarte Aufwachen aus der Corona-Pandemie mit seiner authentischen Lebenssituation, dabei verwendete er die Metapher „dem Totengräber von der Schüppe gesprungen zu sein“. Er beschrieb tiefe Phasen der Depression aus verschiedenen Betrachtungsperspektiven. „Wie – du hast Probleme? Du bist doch immer so happy.“

Lenas Auftritte handelten von der Suche nach der Heimat auf der Suche nach Identität, von ständigem Umziehen und Ängsten davor, dass die Zeit davonläuft.

Sie beschrieb diverse Entwicklungsstadien bis hin zur Erkenntnis, dass Zuhause überall sein kann. Heimat – das sind wir.

Lennard hatte zu kämpfen mit den Wartezeiten beim Besuch des Finanzamtes Köln-Süd, mit der Wartemarke Nr. 42. Er schilderte gekonnt und temperamentvoll seine gedanklichen Inspirationen in dieser ihm unendlich lang vorkommenden Zeit und assoziierte Gebetsteppiche oder „Per Anhalter durch die Galaxis“ mit diesem Erlebnis. Ferner beschrieb er originell Situationen des Smalltalks wie dem täglichen Treffen mit dem Pizzaboten.

Nach zwei Durchgängen kristallisierten sich zwei Favorit*innen nahezu punktgleich für ein Finale heraus: Lennard und Lena. Beide hatten einen dritten Slam-Beitrag von außergewöhnlich hoher stilistischer und literarischer Qualität parat.

Lennard betrachtete das Entweder-Oder beziehungsweise Null oder Eins aus Sicht von hypermoralisierenden Zeitgenossen, die die Zwischenwerte zwischen diesen Extremen negieren. Kunstvoll dargestellt am Thema „Vegan“: „Bist Du Veganer oder doch nicht“? Ist die Ausnahme bei einer Pizza mit Mozzarella erlaubt oder ist dies verwerflich? Lena rückte das Thema Wunder in den Vordergrund, konkretisiert u.a. am Wunder des Lebens und dem „Neun Monate Wunschkind“ sowie weiteren Phasen im Leben dieses Wunschkindes.

Es war ein mitreißendes Finale von guter Qualität. Lennard siegte ganz knapp vor Lena, den dritten Platz belegte Anna-Lisa.

Peter Küstermann dankte allen Beteiligten: Den Moderatorinnen, den Slammer*innen, der Technik und den Buftis. In einer Abstimmungspause verwies er auf den kommenden Slam am 25.9.2021 „Dead or alive“.

Volker Papke-Oldenburg


ZAP! Rückblick Ladies Slam im BÜZ am 27.03.2021

In Zeiten von Corona – Wir machen weiter - mit Online – Veranstaltungen

Moderation: Sabah und Mohammad Oumari

Das war eine Veranstaltung, die Hoffnung für die Kultur- und Kunstschaffenden in Zeiten von Corona-Einschränkungen, Abstandsregeln, Lockdown und nächtlichen Ausgangssperren gibt.

Dem BÜZ gelang es, mit einer Sondergenehmigung eine Online-Veranstaltung zu kreieren, die auf Twitch-TV auf den Seiten des Kulturzentrums live zu sehen war. Live wurde dabei auch abgestimmt. Dieser Bericht erstmals aus der Sicht eines Stream-Zuschauers, der abhängig war von der Kameraführung und den Einblendungen der Regie.

Sabah und Mohammad Oumari moderierten den Ladies Slam. Beide waren im Jahre 2015 – aus Syrien kommend – nach Deutschland geflüchtet und sind dem Kulturzentrum durch viele erfolgreiche Projekte im Zusammenspiel mit hiesigen Künstler*innen bekannt. Peter Küstermann, der Slam-Master Minden, würdigte beide zu Beginn dementsprechend.

Vier engagierte und schon erfolgreiche Lady-Slammerinnen stellten sich der Online-Jury im Netz: Eva-Lisa aus Dortmund, Anna-Lisa aus Bonn, Alina aus Lippstadt sowie Najla aus Bielefeld. Sie waren in Pandemie-Zeiten weit  angereist. Dafür allein schon gab es gebührendes Lob.

Die Vortragenden hatten jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Texte über Diskriminierung im Alltag, Sexismus, Rassismus, Generationskonflikte, Wut, Verzweiflung, Grenzüberüberschreitung, Wendepunkte, Hoffnung oder Neubeginn vorzutragen. Dabei gab es zunächst zwei Durchgänge.

Eva-Lisa wurde als erste Starterin gezogen. Ihr erster Text behandelte sachlich zunächst statistische Elemente deutscher Frauen wie Durchschnittsgröße oder Bildungsabschlüsse. Emotionaler wurde sie, als es um eine Anhörung vor einem ausschließlich aus Männern bestehendem Gremium bei einem Gerichtstermin ging, als eine Frau nochmals über sexualisierte Gewalterfahungen aussagen sollte, und wie persönliche Leiderfahrungen einfach mit viel Bagatellisierung abgetan werden.

Anna-Lisa, die zweite Starterin, hatte die weibliche Periode und die damit verbundene empfundene Diskriminierung in den Fokus ihres Slam-Textes gerügt: Frauen verdienen weniger und zahlen in ihrem Leben 2800 Euro mehr für Tampons. Daher die Forderung nach kostenlosen Tampons in Pilotprojekten. Ein Projekt für mehr Gleichberechtigung und Humanität. Mit viel Gestik und Dynamik trug sie die Anliegen vor.

Alina aus Lippstadt war im Gegensatz zur Vorgängerin leiser und poetischer. Ihr ging es darum, dass niemand immer schön ist, um den Wunsch nach Perfektion und der Abkehr davon. Eitelkeiten und Verletzungen spielten bei ihr eine wichtige Rolle.

Als letzte Slammerin der ersten Runde ging Najla an den Start. Sie präsentierte eindrucksvoll als Ich-Erzählerin die Differenz von Inside und Outside, von diversen Ich-Rollen. Im Inside: Aufgeregte Gefühlszustände, das Kribbeln von Nadeln auf der Haut, die Wut oder Ohnmacht. Im Outside: Angepasst sein, Bildung als Rettung.

Die zweite Runde lief in umgekehrter Reihenfolge ab.

Najlas Thematik war: Reisen in der Türkei. Travelling all alone to Alania. Wie komme ich aus dieser Nummer wieder heraus? Sie schilderte durchaus sehr humorvoll ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit Männern beim Verlassen des Hotels – über einen möglichen Bikini-Kauf, auch darüber, dass „Bauer sucht Frau“ bekannt war.

Alina sprach in ihrem zweiten Part von der Unerbittlichkeit der Verteilung der Geschlechterrollen: Er sitzt auf seinem Thron, sie darunter. Der Vollkommene und die Fehlerhafte.

Anna-Lisas Thema war, dass Frauen Opfer von struktureller Gewalt und Diskriminierung sind.

Beindruckend war auch Eva-Lisa als letzte Poetin in dieser Runde. Themen waren das Leben an sich und der Sinn des Lebens. Eine Persiflage über den Körper. Was macht der „blöde Körper“ mit mir?

Während in der ersten Runde Najla eine überwältigende Abstimmungsquote auf sich vereinen konnte, ging die zweite Runde an Eva-Lisa. Somit ging es für beide Poetinnen ins Finale. Eva-Lisas Slam-Beitrag bestach in seinen Reimen und behandelte humorvoll und ironisch ihren Vater: Im Kühlschrank steht seit vermutlich 30 Jahren ein Glas mit Knoblauchsoße, der Fliesentisch im Wohnzimmer mit der Fernsehzeitung. Der Vater, der alles im Griff hatte, bis zum Tod der Mutter. Der dann aber noch das Klavierspielen lernt. Najlas Text war inspiriert von der Ode an die Muse: Komm zurück, meine Muse. Die Gedanken wollen Beachtung, ich aber auch.

Es war ein mitreißendes Finale von guter Qualität. Eva-Lisa siegte vor Najla, den dritten Platz belegte Alina.

Peter Küstermann dankte allen Beteiligten: Den Moderator*innen, den Slammerinnen, der Technik und den Buftis. In einer Abstimmungspause verwies er auf die kommenden Slams am 26.6.2021 „Break the rules“ und am 25.9.2021 „Dead or alive“.

Slam auf Youtube

Vier Top Poetinnen aus Bonn, Dortmund, Lippstadt und Paderborn trugen am 27.03.2021 auf unserer Bühne zu einem wunderbar atmosphärischen Abend bei. Mit überraschenden, kritischen, engagierten, bewegenden, heftigen, nachdenklichen und anklagenden Texten über ihre Erfahrungen in dieser Gesellschaft. Das Geschwisterduo Sabah und Mohamed Oumari aus Damaskus moderierte erfrischend zum ersten Mal unseren Mindener Poetry Slam.

Den ganzen Slam gibt’s hier: 


ZAP! Rückblick W.a.e.M.-Slam On Tour am 20.02.2021

Am 20.02.2021 war das das Team vom W.a.e.M. - Slam aus Stadthagen zu Gast. W.a.e.M. - so heißt das beliebte Spoken Word Ereignis im dortigen Kulturzentrum „Alte Polizei“. Die Abkürzung steht für „Worte aus erstem Mund“.

Die bekannten Moderatoren Verena & Klaus Urban zählen nicht nur zu den hervorragendsten deutschsprachigen Slamteams, sondern moderierten flott und charmant ihren eigenen Slam on tour bei uns in Minden. Und die Starter*innen haben sie gleich mitgebracht: Andres Pierre Peinelt, Eva-Lisa . Lena Meckenstock und Nikos Sioulis. Neue Slammer*innen mit tollen Texten!

Der Live-Stream lief auf twitch.tv/kulturzentrumbuez, das Voting für die Poet*innen fand Online im Chat statt.

Moderation: Verena & Klaus Urban


ZAP! Rückblick U20-SLAM am 29.01.2021

Aufgrund der aktuellen Coronaregelungen musste diese Veranstaltung leider ohne Publikum vor Ort stattfinden. Die Künstler traten aber „live“ im BÜZ auf! Das Video ist ein Mitschnitt der Liveübertragung auf Twitch.

Moderation: Sabah Oumari und Ben Schafmeister

1. Teil

2. Teil


LESEN FÜR BIER am Sonntag, 25.10.20, im BÜZ Minden

Das neue Literaturformat in Minden

Bibel, Böll oder Bild – Michael Schumacher und Karla „Feli“ Feles haben alles gelesen, was die Gäste ihnen mitgebracht haben. Und sie tranken für das Publikum. Entweder sie gewannen – oder der Text.

Das Konzept ist so simpel wie gut: Eure Texte – unsere Performance: Bring einen Text mit und drück die Daumen, dass er besser ist als der Vorleser oder die Vorleserin. Dann geht das Gratis-Bier an dich. Die Entscheidung trifft das Publikum. Der Schankmeister war Peter Küstermann.


#ME TOO SLAM am Samstag, 12.09.20, im BÜZ Minden

Moderation: Klaus Urban und Ben Schafmeister

Klaus Urban, der im BÜZ durch seine grandiosen Slam-Auftritte bekannt ist und schon viele Trophäen und Preise abgeräumt hat moderierte gemeinsam mit dem jungen Ben Schafmeister, der ebenfalls Moderationserfahrung hat und auch schon auf vielen Bühnen mit seinen Texten stand.

Klaus Urban war es wichtig, darauf zu verweisen, dass ausgerechnet zu dem sensiblen Thema #ME TOO zwei weiße Männer moderierten, da sie kurzfristig eingesprungen waren. Hinzu kam dann noch, dass Klaus Urban zur Generation der „Alten weißen Männer“ gehört. Er war sich der Problematik bewusst.

Vier junge engagierte und zum Teil schon sehr erfolgreiche Teilnehmerinnen stellten sich der Jury: Daniela, Anna Lisa, Kara und Janina. Hinzu kam ein Teilnehmer der älteren Generation: Horst.

Die Vortragenden hatten jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Texte über Wut, Verzweiflung, Grenzüberüberschreitung, Wendepunkte, Hoffnung oder Neubeginn vorzutragen. Dabei gab zwei Durchgänge.

Die Jury war homogen zusammengestellt: Junge und alte Jury-Mitglieder mit Slam-Erfahrung waren vertreten, ebenso einheimische und zugewanderte; die Bewertungsregeln waren vertraut.

Daniela wurde als erste Starterin gezogen. Ihr erster Text handelte von den Lebensweisheiten, die sie als Kind von ihrer Mutter vermittelt bekommen hatte. In Deutschland gebe es im Vergleich zum Iran Gleichberechtigung von Mann und Frau. Daniela sprach in ihrem Text ihre Mutter an, dass sie nicht Recht habe. Manches sei zwar besser als im Iran, z.B. Berufe zu ergreifen, allerdings sei oft die Bezahlung schlechter. Auch slamte sie über Alltagsrassismus, der ihr auch aus der Politik begegnet sie. Sie wurde aufgefordert, in ihre Heimat zurückzugehen. Im zweiten Beitrag ging es um die Frage, warum Fluchtgeschichten und -erfahrungen Fragen des Feminismus sind. Daniela schilderte dabei ihre Gefühle der eigenen Fluchterlebnisse, dass sie einfach nur „sein“ möchte.

Janinas Beitrag handelte von einem hungernden Mädchen und der Abhängigkeit von einem Mann, der ständiges Fasten fordert. Sie schildert die brutale Abhängigkeit von diesem Mann. Der zweite Vortrag behandelte „Fallende Engel“, wobei Grenzüberschreitung und Verletzungen durch einen Mann thematisiert wurden. Die Frau sucht Liebe, der Mann Sex.

In sehr beindruckender Weise schilderte Kara sehr persönliche Erfahrungen in ihrem Text „Hunger nach Mehr“ über Magersucht, den Kampf um weniger Kalorien, über künstliche Ernährung und Wendepunkte in ihrem Leben. Beim zweiten Vortrag berichtete sie die Situation einer Frau, die in der Schule gelernt hatte „Mein Körper gehört mir“. Zehn Jahre setzt sie sich mit dem bei sexuellem Missbrauch mit dem Erlernten auseinander und muss erfahren, dass ihr Körper nicht ihr gehört.

Anna Lisas erster Text handelte von sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, den Ängsten und dem Trauma, damit zu leben. Sie skizzierte Wendepunkte: Das öffentliche Ansprechen des Missbrauchs, den Aufschrei, die Beratungsstelle. Zwölf Millionen Frauen leben laut Statistik in Deutschland mit Formen von sexualisierter Gewalt. Im zweiten Text ging es um die Kälte und Gefühlslosigkeit eines Partners bei einer Schwangerschaft und die zurückgebliebenen Gefühle der Frau.

Horst schließlich fragte, ob er, der keine direkte Berührung zu #ME TOO habe, zu diesem Thema etwas schreiben dürfe. Er schrieb von Gewalterfahrung und -erleben als Kind in der Schule, als es darum ging, die Ideologie der Nationalsozialisten zu befolgen. Im zweiten Text ging es um den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, um sogenannte „Teufelskinder“, wobei die Opfer zu den Tätern gemacht wurden, da sie angeblich die Priester verführt hätten.

Auf den dritten und zweiten Platz wurden unter dem Beifall des Publikums Daniela und Anna Lisa gewählt. Verdiente Gewinnerin war Kara, die den Pokal von Frau Rust überreicht bekam.

Volker Papke-Oldenburg


Warum sich unser Slam in der Provinz lohnt

Ein kleiner Wortwechsel auf myslam.de 

Hallo, liebe Poetinnen und Poeten- liebe Slammaster-Kollegen und Kolleginnen!

Ich moderiere einen Slam in der Provinz. Minden in Westfalen hat 80.000 Einwohner, und unser Kulturzentrum BÜZ war vergangenen Samstag gut gefüllt mit „dankbaren 150 Zuschauern", wie AIDA schreibt. Unser Stammpublikum schätzt und honoriert gute Poeten wie ihn und Linn und Seb, die Sieger unseres Herbstslams.

Heute möchte ich mal eine Lanze brechen für die manchmal etwas voreilig geschmähten  „kleinen" Slam-Orte. Das Mindener Tageblatt begleitet seit Jahren interessiert und detailliert jeden Slam im BÜZ - und versteht sich durchaus nicht als „Hofberichtserstattung", sondern als sachliche Wiedergabe einer zeitgenössischen Form gelebter Literatur in unserer Stadt.

Wir sind in der glücklichen Lage, dass neben verschiedenen Sponsoren und dem Trägerverein des BÜZ auch das Kulturamt unsere Slams immer mal wieder fördert, weil es sie als Bestandteil und Bereicherung der lokalen Kultur-Szene ansieht.

Das hilft uns, immer wieder neue Besucher und Teilnehmer zu gewinnen und auch Slam Poetry in die Schulen hineinzutragen als Teil Kultureller Bildung, es hält unsere Slams abwechslungsreich, spannend und generationsübergreifend.

Minden freut sich darauf, im nächsten Jahr eine „Außenstelle" des NATIONAL zu sein. Herzlich willkommen dann zum „U20/Ü40-Slam" in der Provinz!

Peter Küstermann
Slammaster am Kulturzentrum BÜZ in Minden 

 

Antwort von Franzi Röchter 

Peter, die Lanze brauchst du gar nicht mehr brechen, dass dir das bereits gelungen ist, zeigte das aus allen Nähten platzende BÜZ am vergangenen Samstag. Es gibt ein paar wirklich handfeste gute Gründe, warum der BÜZ-Slam in Minden sich steigender Beliebtheit erfreut (sind 80.000 Einwohner denn noch Provinz? Ist Minden nicht das Tor zur Welt? ;-) ,,Der Hafen Minden ist ein Binnenhafen, der um das Wasserstraßenkreuz Minden herum am Mittellandkanal und an der Weser angelegt ist und Minden mit den Seehäfen an der Unterweser und in Hamburg verbindet. Er besteht aus vier Hafenbecken ... ,, aus: Wikipedia):

  1. Du hast jedesmal eine sehr gute Co-Moderatorin!
  2. Bei dir gibt's allermeistens etwas Leckeres zu essen (von griechischem Buffet bis vegetarischen Gemüseeintopf mit gefühlten ca. 20 Brotsorten ... ). Das ist eine ganz tolle lebensnotwendige Sache für alle, besonders für die Weitgereisten ...
  3. Bei dir können Slammer sogar in einem komfortablen Hotel übernachten.
  4. Bei dir bekommen Slammer gute Fahrtkostenerstattung.
  5. Der Minden-Slam hat automatisch und von selbst immer eine sehr gut gemischte (Alters)struktur, sowohl bei den Slammern als auch bei den Zuschauern. Er kommt somit der ursprünglichen Idee des Slam sehr sehr nah. Von 14-über ca. 90 Jahre sind deine Slammer, auch ohne Ü-40, Ü-50 ...
  6. Die Location - eine umgebaute Kirche, die Bühne ein umgebauter Altar- finde ich klasse.
  7. Seit der down-votende Mensch ohne Haare verschwunden ist, kann man sagen: ein sehr freundliches und wertschätzendes Publikum.

Dass der Minden-Slam ein paar Eigenheiten aufweist, die ihn vielleicht von anderen Slams unterscheidet ( eine vorausbestimmte, aber jedesmal andere Jury aus gestandenen Literaten und Literaturkennern oder Zugehörigen des Literaturvereins für die ersten beiden Runden, erst in der Finalrunde Publikumsabstimmung), ist akzeptabel. Noch transparenter wäre vielleicht das Durchmischen der Namen und anschließende Aufhängen auf der Wäscheleine VOR den Augen des Publikums, vielleicht ist mir das aber nur entgangen. Jeder Slam hat schließlich seine Besonderheiten, von Walnüssen bis detaillierten Bewertungen von JEDEM Publikumsteil, die ausgezählt werden müssen bis anschließende Sektrunde für die Teilnehmer (ist auch immer klasse!) bis was weiß ich ...

Vielleicht hätte man bei dem nicht gerade kleinen Teilnehmerfeld von 12 in der ersten Runde ein P-Päuschen einlegen sollen, wegen dem Bier und so. Das wäre bei der guten Stimmung bestimmt in Strömen geflossen ...

Du schreibst: ,,Unser Stammpublikum schätzt und honoriert gute Poeten wie ihn (Anm. des. Verf.: AIDA) und Linn und Seb, die Sieger unseres Herbstslams." Das könnte implizieren, dass der Rest unter ferner liefen war. War er aber nicht. Zweifellos haben die explizit Genannten den Laden enorm gerockt, aber auch Markus Neuert, Jana-Chiara, Gabi, die Schauspielerin mit verschiedenen Rollen, Kolja, der Rapper etc. (alle Namen weiß ich nicht mehr) waren keineswegs zu verachten, und es war stellenweise sehr sehr knapp mit den Wertungen. Eine Zuschauerin und Jurymitglied meinte in der Pause, dass sie überrascht sei über das durchweg hohe Niveau bei diesem Slam.

Antwort von Sebastian 23

There you go - ich wünschte nur, dass meine Idee mit dem U20-Ü50-Slam öfter aufgegriffen würde!

Aber wenn jetzt auch noch das Mindener Tagblatt darüber berichtet, dann ist das Konzept so gut wie auf dem Broadway!

Überhaupt - Glückwunsch, dass sich bei euch eine ganze Zeitung als "sachliche Wiedergabe einer zeitgenössischen Form gelebter Literatur" versteht!

Aber wieso Ü40? Das sind doch noch halbe Küken - da kann ja sogar ich bald mitmachen ...

Wie auch immer - ein schöner Werbetext, tolle Formulierungen und gute Worte drin.
Ich freu mich auch, wenn Minden sich freut!

 


Rückblick 07.03.2020 - Ladies' Slam


Kisha Friesen startete für die Slam-AG des BÜZ beim Poetry Slam in der Alten Polizei in Stadthagen 27.02.2020

Die Reihe Waem-Slam (Worte aus erstem Mund) der Alten Polizei mit Klaus und Verena Urban als Moderatoren findet auch in diesem Jahr wieder statt. Ein Abend, an dem Menschen jeden Alters zusammenkommen und sich mit selbstgeschriebene Texten der Starter anhören.

So kamen auch diesmal verschiedene Poetinnen und Poeten  mit selbstgeschriebenen Texten in das Kulturzentrum „Alte Polizei“ nach Stadthagen und traten gegeneinander an. Klaus Urban benannte das Ganze auch als einem modernen Dichterwettstreit – wobei der altbackene Klang womöglich falsche Erwartungen weckt. Denn tiefsinnige Lyrik ist bloß eine von vielen Facetten, die einen beim Slam erwartet. Von herzergreifenden Geschichten, wie beispielsweise vorgetragen von Kisha Friesen (BÜZ Minden) über ihre Erkrankung oder Sadaf Zahedi, die über Kriegserfahrung und Flucht spricht, bis zu charmant-witzigem Storytelling mit Comedy-Touch von Mathias Lingott.  Es ist nahezu alles denkbar.

Die Veranstalter haben sehr auf eine ausgewogene Mischung geachtet, sodass es zu starken Stil- und Stimmungswechseln kommen konnte. Ein Poetry Slam ist also immer auch ein bisschen Überraschungsei und alles andere als langweilig. Ein toller Abend, den es sich lohnt zu besuchen.

Inga Peußner


Rückblick 15.11.2019 - Slam-Workshop mit Anna Sophie Malecha

In unser Poetry Slam AG für jedermann trainieren wir regelmäßig das Schreiben und Vortragen von eigenen Texten. Wer schreiben kann, ist klar im Vorteil – ob im Alltag oder für die Bühne. Sophie Malecha (Kreativtherapeutin und BÜZ-Starterin bei den deutschsprachigen Slam Meisterschaften) lud ein zum achtsamen Schreiben über Themen, die einem „auf dem Herzen“ liegen. Ihre selbst konzeptionierten Schreibübungen halfen im Umgang mit Schreibblockaden.

Auch was Sinneseindrücke mit Spinnen und ihren Netzen zu tun haben, erfuhren die Teilnehmer*innen in diesem Workshop. Und vieles mehr über „kreatives“ Schreiben jenseits von alltäglichen 'To-Do' Listen und Nachrichten in Messenger Diensten. Jede*r konnte in sich hineinhorchen und über den Stift mit sich selbst auf Tuchfühlung gehen, um neue Schreibformen entdecken.

Feedback Gitte Michusch

Es ist spannend, von den eingeladenen Autoren und Autorinnen Anregungen zu Themen zu bekommen. Außerdem bin ich immer wieder überrascht über die Vielfalt der Interpretationen durch die anderen Teilnehmer.

Anna Sophie Malecha hat uns beim letzten Workshop etwas Neues geschenkt. Sie hat uns mit ihrem ganz besonderen Spinnennetz ein "Werkzeug“ an die Hand gegeben. Mit diesem Schema lassen sich Eindrücke sowie Gefühle festhalten und Gedanken ordnen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit diesem System spielend neue Zusammenhänge zu konstruieren.

Vielen Dank geht von mir an die geladenen Referentinnen, die Teilnehmern/innen, Peter Küstermann und das BÜZ.


Rückblick Kogge-Slam 2019

Unser literarischer Wettstreit "Europäische Autor*innen gegen Poetry Slammer*innen" war ein voller Erfolg. Die Starter*innen der internationalen Autorenvereinigung DIE KOGGE haben alle lange Publikationslisten. Sie bewiesen, dass sie deshalb aber keine "Wasserglasleser" geworden sind, sondern genauso lebendig vortragen können wie die jungen frechen Slampoet*innen aus unseren Workshops. Und die widerlegten erfolgreich das Vorurteil, sie beherrschten keine Grammatik und ihre Texte hätten keinen literarischen Tiefgang.Im Gegenteil: das Publikum war begeistert von der hohen Qualität der Beiträge und dem lebendigen Vortrag. Die Jury aus dem Publikum wählte den KOGGE-Autor Horst Landau(81) zum Sieger, er erhielt den Pokal überreicht von der ehem. Stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Minden Helga Rust. Zweite Siegerin wurde die Slampoetin Vanessa Klaus(22). Das Publikum äußerte den Wunsch nach Fortsetzung der KoggeSlams. Das Kulturzentrum BÜZ plant in 2020 Kreativ- Workshops "Grandpa and me". 


Comedy Slam bei Martini um 12

Der deutsche Meister im U20-Slam Benjamin Poliak kam nach Minden, um wieder am Fuß der Martinitreppe gegenüber dem alten Rathaus gegen hiesige Stand-up Comedians und Slammer*innen zu „battlen“. Spaß und flotte Unterhaltung zur besten Shopping Time, am Samstag im Herzen der Stadt. Anna Sophie Malecha und Peter Küstermann moderierten diesen Dichterwettstreit mit viel Witz, Humor und Tempo, intergenerativ und interkulturell. Den Siegespokal erhielt der Titelverteidiger Benjamin Poliak, dicht gefolgt von Ben Schafmeister.

Das war unser Comedy Slam MARTINI UM 12, Open Air in Minden. And the winner is: Benjamin Poliak (Paderborn).Außerdem am Start waren Ben Schafmeister (Porta Westfalica), Mechthild Podzeit-Lütjen (Wien), Sabah Oumari (Damaskus/Minden), Michael Schumacher (Xanten), Martin Janke, Minden). Tolle Texte, super Wetter, Prima Publikum (150 Mindener*innen, frisch ge-gendert ). Dank an Sophie Malecha für die gelungene Co-Moderation!

Im anschließenden Workshop für Slam-Interessierten verriet der deutsche U20-Meister Tipps und Tricks für das Schreiben und Vortragen von Comedy-Texten unter dem Titel „Man darf über alles Witze machen. Aber was nicht in Ordnung ist, das ist Hass.“ Immerhin gewann er den Comedy Slam 2018 mit einem ironischen Text über seine jüdische Herkunft, inklusive "Geld, Weltherrschaft und lustige Namen".


U20 NRW Slam in Hamm am 18./19.05.2019

Für das Kulturzentrum BÜZ startete die Nachwuchspoetin Ronja Lobner aus Petershagen. 


Zielgruppe

Kinder, Jugendliche, Erwachsene, nationale und internationale Slammer

"Ey, sag mal Peter, kannst du eigentlich auch slammen?"

Ja klar. Die Antwort gab er unter anderem am 04.05.2019 in Wernigerode in Sachsen-Anhalt. 


WAEM Slam in Stadthagen am 4. April 2019

Für das Kulturzentrum BÜZ startete die junge Poetin Sabah Oumari aus Damaskus/Minden. 


OWL U20 Slam in Bielefeld am 3. April 2019

Für das Kulturzentrum BÜZ startete der Nachwuchspoet Johnny Luu aus Minden. 


Slam Workshop "Sprich dich aus" in der Hohenstaufen Schule am 22.03.2019

Die Reihe „Sprich Dich aus“ war durch niederschwellige spielerische Elemente geprägt: viel Spaß machten den Kindern z.B. die Rolle als Marktschreier für ihre Lieblingspflaumen und die Artikulationsübungen „mit vollem Mund“. An der Steigerung positiver Adjektive von „schön“ bis „superaffengeil“ erfuhren sie, dass Poetry Slam auch mal frech sein und „un-anständige“ Alltagssprache verwenden darf. An Bilderbüchern wie „Ottos Mops“ von Ernst Jandl übten wie spielerisch den Gebrauch von Vokalen und Konsonanten. Dann führten wir sie über erzählerisch-märchenhafte Formen und Artikulationsspiele behutsam an den sprachlichen Wettbewerb heranführen. Viel Raum nahm das Erkennen und Einüben der Performance-Elemente Mimik, Gestik und Intonation ein – immer ausgehend von vertrauten Elementen wie den Emojis in den Schreibprogrammen auf ihren Handies.

Neben dem Üben der Ausdrucksfähigkeit und Performance standen auch hier Freude und Spaß am spielerischen Umgang mit Sprache im Vordergrund. Positiv war, dass jederzeit interessierte KollegInnen anwesend waren, sich auch zum Teil an den Aufgaben beteiligten. Weitere nutzten die „Gelegenheit, „mal eben reinzuhören“, und waren herzlich willkommen. Zu ihrem Erstaunen konnten wir auch Schüler, die als konzentrationsschwach oder verbal benachteiligt galten, zum Schreiben und zum Vortrag unterschiedlich langer Texte bewegen. Themen wie z.B. „Ratet mein Lieblingstier“ banden alle Beteiligten ein und ließen keine Langeweile aufkommen, ebenso wie häufiger Wechsel der Medien und Inhalte. Gern arbeiteten die Kinder im Team zu zweit, das half gegen Schwellenangst. Auch die Vorbereitungen für den abschließenden Auftritt waren mit viel Lampenfieber begleitet bis zum krönenden Finale, dem schulinternen Slam vor allen Schülern der Schule. Fast alle Kinder wollten unbedingt auftreten (entgegen den Befürchtungen einiger Kollegen, es würden sich nicht genug melden)  und taten das mit Energie und schauspielerischem Geschick.

Richtig war sicher die Entscheidung, nicht einen einzigen Sieger auszuloben, sondern jedem/r ProjektteilnehmerIn  anschließend eine Medaille zu überreichen, die dann stolz getragen wurde.

Die Arbeit mit den Kindern war bereichernd, wir würden sie gern mit weiteren Klassen wiederholen.

Peter Küstermann

Förderer

Dr.-Strothmann-Stiftung

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