2021

Schilderwald

Kreatives Kunstprojekt

Schilderwald

Kreatives Kunstprojekt

Geflüchteten ist ihre neue Heimatstadt Minden noch nicht vertraut. Manchmal bewegen sie sich nur unsicher in ihr, sei es zu Fuß oder per Zweirad oder im öffentlichen Nahverkehr. In Deutschland gültige Verkehrsregeln sind ihnen im Allgemeinen nicht bekannt. Das ist exemplarisch für weitere Lebensbereiche, Ordnungssysteme sind ihnen wenig vertraut.

Mit unserem kreativen Kunstprojekt wollen wir ihnen über die Freude am eigenen ästhetischen Gestalten die Möglichkeit bieten, Inhalte und Bedeutungen zu erkennen, zu evaluieren, konstruktive Kritik zu erarbeiten und die Veränderbarkeit der neuen Heimat - hier des Stadtbildes - zu erfahren über eigene Visualisierung und Kontakt mit städtischen Einrichtungen.

Das Projektjahr 2021 baut auf den Erfahrungen der Jugendlichen und ihrer sensibilisierten Wahrnehmung auf. Auf Fotosafaris setzen sie ihre vertrauten Smartphones als Kameras ein beim Sammeln von Mindener Straßennamen, die sie anschließend auf ihre Entstehung und Bedeutung untersuchen. Straßennamen können Denkmalsfunktion haben.

Insbesondere zu Bezügen auf Kriege und Siege – die die Geflüchteten selbst oft in ihren Herkunftsländern hautnah erlebt haben – und auf Fremdenfeindlichkeit formulieren sie Neu- und Umbenennungsvorschläge: denkbar zum Beispiel eine Nadia-Murad-Straße (Friedensnobelpreis) statt der Blücherstraße. Oder im kulturellen Bereich ein Khalil-Gibran-Weg (arabischer Philosoph und Dichter) neu am Goethepark im Dichterviertel der Stadt.

Die Teilnehmer kommen aus 8 Kulturen, die wir alle in diesen Prozess einbinden. Außerdem fotografieren und untersuchen sie Denkmäler im öffentlichen Raum unter denselben Aspekten und entwickeln Ideen, z.B. für ein Friedensdenkmal anstelle des Kriegerdenkmals auf dem Mindener Domhof, und stellen sie visuell dar.

Sie erfahren, welche Prozesse zur legalen Umsetzung erforderlich sein können. Alle eigenen Entwürfe und Änderungsideen wollen wir in einer Wanderausstellung auf großen Schautafeln zusammenfassen.

SCHILDERWALD am 19.05.21

Stolpersteine in der Mindener Innenstadt bewusst wahrnehmen

Der Workshop am 19.05.21 folgte der Gesamtintension des Projektes SCHILDERWALD. Anfang des Monats informierten sich die geflüchteten Jugendlichen vor Ort in Dankersen über die historischen Hintergründe einiger Straßennamen wie Blücher-Straße, Sedan-Straße oder Waterloo-Straße, die ihren Hintergrund in blutigen europäischen Kriegen mit Verherrlichung von Orten oder Generälen hatten. Es wurde darüber diskutiert, warum diese Straßen nicht nach Männern oder Frauen, die sich für den Frieden eingesetzt haben, benannt werden können. 

An diesem Mittwoch ging es für Peter Küstermann in der ersten Phase darum, auf aktuelle Tagesereignisse im Nahen Osten und die wieder aufflammenden Konflikte zwischen den Palästinensern und Israelis zu diskutieren und bewusst zu machen. Der wieder aufkei-mende Antisemitismus in Deutschland war dabei ebenfalls ein zentrales Thema. 

Nach einer Pause machten sich die Geflüchteten auf den Weg zu den Stolpersteinen in Minden. Ziel war es im Rahmen von Erinnerungskultur ein Bewusstsein für die Zeit der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten zu erhalten. An mehreren Orten in Minden weisen Stolpersteine auf die in den zugehörigen Häusern lebenden Juden hin. Diese Steine, die oft achtlos übersehen werden, erzählen ihre Geschichte von Deportation, Lager und Vernichtung. Rainer Hagemann erklärte den Jugendlichen das Putzen und Pflegen der Stol-persteine mit Sidolin und Olivenöl. Mohamed Oumari erläuterte einige Inschriften auf den Stolpersteinen und erzeugte Betroffenheit bei den Jugendlichen. Anschließend wurden weitere Stolpersteine im Innehalten an die gelebte Geschichte der Ermordeten gereinigt. In den Kontext passte dann ein Gruppenfoto unter Berücksichtigung der gültigen Corona-Regeln vor der Mindener Synagoge. 

Wieder angekommen im BÜZ zeigte sich in einer Feedback-Runde viel Betroffenheit. Die Jugendlichen waren emotionalisiert und wachgerüttelt. Einige berichteten von Erfahrun-gen aus ihren Heimatländern, von Begegnungen mit der Polizeipräsenz oder von Demüti-gungen aus dem Gefängnis, wo man wegen geringer Vorfälle schnell landen kann. Es war ein Tag, der sich gelohnt hatte, und Peter Küstermann verwies auf die Gruppe der Kultur-Scouts, bei denen teilweise auch Großväter oder weitere Verwandte im Syrien-Krieg gefal-len waren oder verfolgt wurden. Diese Jugendlichen haben in Peter Küstermann eine Art von Ersatz-Opa gefunden. 

Bei orientalischen Klängen machte es am Ende Spaß, in Gesänge einzustimmen und Freude zu haben. 

Volker Papke-Oldenburg 

Erinnerungskultur 05.05.2021

Heute gab es wieder eine spannende Fotosafari, diese befasste sich nicht wie zuletzt mit Kriegsdenkmälern, sondern mit Straßennamen, die in Verbindung mit bedeutungsschweren Kriegen im 19. Jahrhundert und deren hohen Generälen stehen.

Wir alle kennen verschiedene Straßennamen und manchmal wundern wir uns darüber, dass einige öfter in Deutschland vertreten sind, doch machen wir uns selten über die Bedeutung hinter den Namen Gedanken.

Um einige Straßennamen und deren Bedeutungen näher kennenzulernen,  sind wir mit jugendlichen Flüchtlingen aus unterschiedlichen Kriegsgebieten der Erde gemeinsam mit dem Bulli nach Dankersen gefahren. Mit der Unterstützung eines Geschichtslehrers mit weitreichendem Wissen haben wir uns Straßen wie die Blücherstraße und Sedanstraße genauer angesehen und einiges über den geschichtlichen Hintergrund erfahren. Gemeinsam mit den Jugendlichen haben wir Fotos gemacht, um diese nachbesprechen zu können. 

Im Kulturzentrum BÜZ" in Minden haben wir uns die Frage gestellt, warum ausschließlich an den Krieg erinnert werden muss.

Warum könnte man diese Namen, die mit negativen Ereignissen behaftet sind, nicht mit Namen ersetzen, mit denen der Frieden assoziiert wird?

Anschließend haben wir über die persönliche Erfahrung der jungen Geflüchteten gesprochen, und wie ihnen der Krieg über Medien vermittelt wurde.

Um diese Eindrücke auf uns wirken zu lassen, haben wir Ideen gesammelt, wie man Ortsausgangschilder mit Gegensätzen beschriften könnte. Beispielsweise den Krieg durchstreichen und in Richtung Frieden "fahren".

Insgesamt war dies ein spannender Projekttag für alle Beteiligten, in dem jede/r um eine Erfahrung und um einiges an Wissen reicher geworden ist. Durch die anschließende Diskussion über das Thema konnten wir den Erfahrungsschatz der Jugendlichen in der deutschen Sprache erweitern und einen neuen Bezug auf den Krieg und dessen Auswirkungen auf die betroffenen Menschen herstellen.

Von Svenja und Melina

Foto-Safari am 03.03.2021

In unserem heutigen Projekt haben unsere Jugendlichen, die nicht lange in Deutschland leben und gerade aus einem Kriegsgebiet geflohen sind, ihre ersten Eindrücke mit der deutschen Geschichte, sowie mit ihren negativen Seiten machen können.

Im Glacis in Minden finden wir viele Kriegsdenkmäler, welche jedoch nur an die deutschen Opfer im Krieg gerichtet sind. Was ist aber mit allen anderen Gefallenen im Krieg? Wieso sollten wir nur die Deutschen im Gedächtnis behalten, sie waren doch diejenigen, die den Krieg erst in Fahrt gebracht haben.

Es stellte sich die Frage: „Wie fühlte es sich für die Jugendlichen wohl an, in ein sicheres Land wie Deutschland zu kommen und direkt mit dem Thema „Krieg“ konfrontiert zu werden?“

Um die ersten Eindrücke auf sich wirken zu lassen, führten wir gemeinsam eine Foto-Safari durch, bei der wir bei schönem Wetter durch das Mindener Glacis wanderten und die Denkmäler suchten, um sie uns genauer anschauen zu können. Die Jugendlichen haben diese abfotografiert, um sie im Anschluss für eine Besprechung auszudrucken, welche nach der Tour im „BÜZ“ in Minden stattfand. Dabei berichteten die Jugendlichen über ihre ersten Eindrücke und Empfindungen. Zudem kamen Gespräche über den ersten und zweiten Weltkrieg zustande und es kam die Frage auf, wofür die Symbole und Sprüche auf den Statuen stehen.

Insgesamt war es ein sehr spannender und aufschlussreicher Tag, an dem wir den Jugendlichen durch viele intensive Gespräche und Diskussionen zusätzlich ein besseres Gefühl für die deutsche Sprache geben konnten.

Melina Valianou

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